Pauline Kohlhase promoviert zu geschlechtsspezifischen Wachstumsmodellen
Am 29. September hat Pauline Kohlhase ihre Dissertation „Gendering Growth Models – Care Formalization, Female Employment and Demand Formation“ an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln im Fach Politikwissenschaft verteidigt. Die Arbeit untersucht, wie der Rückgang des männlichen Alleinverdienermodells, die zunehmende weibliche Erwerbstätigkeit und die seit den 1990er-Jahren fortschreitende Formalisierung von Care-Arbeit nationale Wachstumsmodelle in entwickelten kapitalistischen Volkswirtschaften verändert haben. Kohlhase entwickelt drei Mechanismen, über die Care-Regime und geschlechtsspezifische Beschäftigungsstrukturen unterschiedliche Formen der Nachfragebildung hervorbringen: Erstens beeinflusst die Art der Care-Formalisierung über die Einkommensbildung die Binnennachfrage. Zweitens wirken sich die Lohnstückkosten im Care-Sektor auf die preisliche Wettbewerbsfähigkeit und damit auf die Exporte aus. Drittens erleichtert weibliche Erwerbstätigkeit über stabilere Haushaltseinkommen den Zugang zu Krediten und damit schuldenfinanzierten Konsum. Je nach Ausgestaltung der Care-Regime und der Lohnpolitik ergeben sich daraus unterschiedliche Wachstumspfade – von lohngetriebenem Konsum bei öffentlich finanzierter und koordinierter Care-Arbeit bis hin zu export- oder schuldengetriebenem Wachstum bei marktförmiger und niedrig entlohnter Care-Arbeit. Empirisch stützt sich die Arbeit auf vier neu erstellte Zeitreihen-Querschnittsdatensätze, ökonometrische Analysen sowie Fallstudien zu Schweden, Italien, Deutschland und den USA. Betreut wurde die Dissertation von Lucio Baccaro am MPIfG. Kohlhase war seit 2022 Doktorandin an der IMPRS-SPCE, der Graduiertenschule des MPIfG.












