Thomas Barrett verteidigt Dissertation zu postsowjetischen Staaten zwischen EU und Russland

8. Juli 2026

Mitte Juni hat Thomas Barrett seine Dissertation „With Neighbours Like These: Navigating Dependency between Russia and the EU 2000–2022“ an der Universität zu Köln verteidigt. Die Arbeit untersucht, wie Länder, die im Spannungsfeld der konkurrierenden Integrationsprojekte der Europäischen Union und der Russischen Föderation stehen, mit ihrer Abhängigkeit von beiden Nachbarn umgehen. Barrett unterscheidet zwei Strategien. In den 1990er- und 2000er-Jahren dominierte das strategische Hedging, bei dem die betreffenden Staaten die Kooperation sowohl mit der EU als auch mit Russland aufrechterhielten, auch wenn ihre Regierungen öffentlich eine engere Bindung an die eine oder andere Seite bekundeten. Ab Mitte der 2000er-Jahre gewann eine konkurrierende Ein-Vektor-Politik an Bedeutung: das erklärte Ziel einer engen Integration mit einem Nachbarn bei gleichzeitiger Abkehr vom anderen. Barrett untersucht vier postsowjetische Länder – Armenien, Georgien, Moldau und die Ukraine. Er fragt, warum manche von ihnen das strategische Hedging aufgeben, während andere daran festhalten, und warum sie sich für eine Ausrichtung auf die EU entschieden. Im Mittelpunkt steht der innenpolitische Wandel. Barrett analysiert ihn mithilfe des Konzepts sozialer Blöcke, das heißt, heterogener Konstellationen aus Wirtschaftssektoren, Oligarchen, Parteien, Beschäftigten und der Wählerschaft, die bestimmte wirtschaftspolitische Präferenzen teilen. Er zeigt, dass die strukturelle Transformation der Wirtschaft seit dem Jahr 2000 neue soziale Blöcke gestärkt hat, die maßgeblich dazu beitrugen, ob strategisches Hedging beibehalten oder eine Ein-Vektor-Politik verfolgt wurde. Betreut wurde die Dissertation von André Kaiser an der Universität zu Köln. Barrett war von 2021 bis 2025 Doktorand an der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy (IMPRS-SPCE), der Graduiertenschule des MPIfG.

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