Adriana Cassis verteidigt Dissertation zur politischen Teilhabe der zweiten Migrantengeneration

8. Juli 2026

Ende Mai hat Adriana Cassis ihre Dissertation „Having It All or Nothing at All? The Transnational Political Participation of Children of Turkish Immigrants in Germany and the Netherlands“ an der Universität Duisburg-Essen verteidigt. Die Arbeit setzt bei einem Paradox an: Eigentlich sollten die im Aufenthaltsland geborenen Kinder von Migrantinnen und Migranten stärker am politischen Leben teilnehmen als ihre Eltern, schließlich verfügen sie über vollen Zugang zu Bildung und politischen Rechten. Dennoch besteht die Beteiligungslücke auch in der zweiten Generation fort. Cassis fragt, warum sich politisches Engagement nicht allein durch die Integration im Aufenthaltsland erklären lässt, sondern auch von transnationalen Bindungen geprägt wird. Im Mittelpunkt steht die größte Herkunftsgruppe Westeuropas: Menschen mit türkischer Migrationsgeschichte in Deutschland und den Niederlanden. In einem Mixed-Methods-Design verbindet die Autorin quantitative Analysen wahl- und nichtwahlbezogener Partizipationsformen mit Interviews hochgebildeter Angehöriger der zweiten Generation. Sie zeigt, dass politisches Engagement keinem einheitlichen Muster folgt, sondern praxisspezifischen und intersektionalen Logiken: Bildung, Diskriminierungserfahrungen, Identifikation, Geschlecht sowie religiöse und zivilgesellschaftliche Netzwerke wirken je nach sozialer Position unterschiedlich. Auch der nationale Kontext prägt die Form der Teilhabe: In Deutschland verlagert sich politisches Handeln auf nichtwahlbezogene Praktiken, in den Niederlanden auf wahlbezogene. Theoretisch verknüpft die Arbeit Intersektionalität und Transnationalismus und trägt damit zur Debatte über das Integrationsparadox bei. Betreut wurde die Dissertation von Achim Goerres. Cassis war seit 2022 Doktorandin an der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy (IMPRS-SPCE), der Graduiertenschule des MPIfG. Der Universität Duisburg-Essen bleibt sie bis Ende September 2026 als wissenschaftliche Mitarbeiterin verbunden.

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