Max Willems verteidigt Dissertation zu den Verteilungskonflikten der Energiewende

1. Oktober 2026

Am 2. Oktober hat Max Willems seine Dissertation „Pricing Power: The Political Economy of Renewable Energy Transitions in Europe“ an der Universität Duisburg-Essen verteidigt. Die Arbeit fragt, wer durch die Dekarbonisierung gewinnt, wer verliert – und warum. Während die Forschung lange den Gegensatz zwischen „grünen“ und „braunen“ Interessen betonte, wird Klimapolitik in jüngerer Zeit zunehmend als verteilungspolitischer Aushandlungsprozess zwischen Wirtschaftsakteuren und Staat verstanden. Den Stromsektor, der im Zentrum dieser Aushandlungen steht, hat die politische Ökonomie bislang jedoch nur begrenzt als Feld des Verteilungskonflikts berücksichtigt. Genau hier setzt die Studie an. Strompreise, so das Argument, sind in hohem Maße politisch: Marktdesign, Subventionen, Tarifstrukturen und die Regulierung der Netzentgelte beruhen auf politischen Entscheidungen und wirken sich sehr unterschiedlich auf Produzenten- und Verbrauchergruppen aus. Regierungen nutzen die Strompreisgestaltung, um soziale Gerechtigkeit zu fördern, Förderkosten zu verteilen und industriepolitische Ziele zu verfolgen. Selbst im gemeinsamen europäischen Strommarkt unterscheiden sich die Verteilungswirkungen erheblich zwischen den einzelnen Ländern. Willems zeichnet dies anhand der Verhandlungen über Kosten und Nutzen der Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich seit Mitte der 1990er-Jahre nach. Die Unterschiede spiegeln dabei die Fähigkeit zentraler Akteure wider, niedrige Strompreise als unverzichtbar für das jeweilige nationale Wachstumsmodell zu etablieren. Betreut wurde die Dissertation von Lucio Baccaro. Willems war seit 2022 Doktorand an der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy (IMPRS-SPCE), der Graduiertenschule des MPIfG. Im November dieses Jahres wechselt er als Postdoktorand an das Environmental Change Institute der Universität Oxford.

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