Emma Ischinsky promoviert zur medialen Darstellung der Superreichen

14. Juli 2026

Mitte Juli hat Emma Ischinsky ihre Dissertation „(Un)Covering the Rich. Invisibility, Deservingness, and Legitimation in Mediated Representations of Germany’s Wealth Elite“ an der Universität zu Köln verteidigt. Die kumulative Arbeit untersucht anhand von Medienberichterstattung, wie extreme Vermögenskonzentration aufrechterhalten wird, obwohl sie in Spannung zu demokratischen Normen und zu Vorstellungen von Fairness- und Leistungsidealen steht. Ischinsky fragt nach den Prozessen, durch die Reichtum öffentlich sichtbar, gedeutet und legitimiert wird. Theoretisch stützt sie sich auf die Soziologie des Nichtwissens, die Deservingness-Forschung und die politische Ökonomie der Medien. Entlang dieser Perspektiven untersucht sie drei Dimensionen medialer Darstellung: Sichtbarkeit, moralische Bewertung und institutionelle Variation. Empirisch verbindet die Arbeit zwei umfangreiche Datensätze: eine Datenbank mit 1.718 der reichsten Personen Deutschlands auf Grundlage der Reichenlisten des manager magazins (2001–2023) sowie ein Korpus von 143.774 Zeitungs- und Zeitschriftenartikeln aus acht großen Printmedien, in denen diese erwähnt werden. Mithilfe quantitativer Textanalysen identifiziert sie zwei Mechanismen, die extremen Reichtum im öffentlichen Diskurs stabilisieren: selektive Unsichtbarkeit und narrative Legitimation. Ein Großteil der Vermögenselite bleibt nahezu unsichtbar; diejenigen, die mediale Aufmerksamkeit erhalten, erscheinen häufig in Erzählungen, die Unternehmertum, gesellschaftlichen Beitrag oder Bescheidenheit hervorheben. Zugleich variieren die Darstellungen systematisch zwischen den Medien – abhängig von Eigentümerstruktur und Publikum. So zeigt die Studie, wie die Presse zur Reproduktion von Vermögensungleichheit beiträgt. Betreut wurde die Dissertation von Jens Beckert am MPIfG.

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