Zukunft der europäischen Fiskalpolitik: Workshop am MPIfG
Ende November 2025 kamen am MPIfG sechzehn Forschende aus Deutschland und dem europäischen Ausland zu einem Workshop mit dem Titel „From Austerity to Expansion? Rethinking Fiscal Policy in an Age of Crisis“ zusammen. Vor dem Hintergrund der massiven Staatsausgaben während der COVID-19-Pandemie, des Ukrainekriegs und der Energiekrise diskutierten sie, ob sich darin ein dauerhafter Kurswechsel von Austerität zu expansiver Finanzpolitik abzeichnet oder ob etablierte institutionelle Pfadabhängigkeiten fortwirken. Im Mittelpunkt standen zentrale Spannungen der europäischen Fiskal-Governance. Iain Begg (London School of Economics) stellte die Notwendigkeit numerischer Fiskalregeln grundsätzlich infrage. Lucio Baccaro (MPIfG) zeigte die wachsende Asymmetrie zwischen einer stark erweiterten Geldpolitik der EZB und einem weitgehend unveränderten fiskalischen Regelwerk auf. Vanessa Endrejat (European University Institute) analysierte, wie die EU während der Pandemie über Off-Balance-Instrumente wie die Recovery and Resilience Facility neuen fiskalischen Handlungsspielraum geschaffen hat, während Pálma Polyák (MPIfG) darlegte, wie Deutschland Reformen der europäischen Fiskalregeln eher begrenzte als öffnete. Akteurszentrierte Beiträge ergänzten diese Perspektiven: Mischa Stratenwerth (MPIfG) untersuchte Positionsverschiebungen deutscher Wirtschaftsverbände zu öffentlichen Investitionen, Camilla Locatelli (MPIfG) verglich die Rolle technokratischer Eliten bei Fiskalverhandlungen in Italien und Frankreich. Eine abschließende Paneldiskussion mit Andreas Eisl (Jacques Delors Institute) und Clara Leonard (Institute Avant-garde) beleuchtete die politischen Hürden einer Reform der europäischen Fiskalordnung. Den Workshop organisierten Mischa Stratenwerth und Camilla Locatelli sowie Vanessa Endrejat (European University Institute).












