„Die Amerikaner werden mit den Europäern noch eine ganze Weile Schlitten fahren“
Frankfurter Rundschau, Michael Hesse | Interview mit Wolfgang Streeck
Ist Trump eine neue Form des Faschismus? Wolfgang Streeck, Emeritus am MPIfG, gibt der Frankfurter Rundschau eine provokante Antwort: Neu ist kaum etwas. Die USA waren schon immer erstaunlich gewaltbereit, nach innen wie außen. Von Hiroshima über Vietnam bis heute unterhalten sie rund 750 Militärbasen weltweit, kein Tag seit 1990 ohne Krieg irgendwo auf der Welt. Trump habe lediglich das Gewaltpotenzial nach innen losgelassen und die Feigenblätter fallen lassen. Seine Macht verdankt er einer fast zweieinhalb Jahrhunderte alten Verfassung, die nie an moderne Verhältnisse angepasst wurde und deren Lücken ein skrupelloser Machtmensch brutal ausnutzen kann. Die größte Gefahr sieht Streeck beim Thema China: Die USA diskutieren die Thukydides-Falle, ob der richtige Moment zum präventiven Zuschlagen schon verpasst ist. Trump kündigte an, den Verteidigungsetat 2027 um 50 Prozent auf anderthalb Trillionen zu erhöhen. Europa werde derweil weiter „Schlitten fahren“ mit den Amerikanern, gefangen in strategischer Abhängigkeit.
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