Gymnasien gibt’s nur für Reiche
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Claudia Bothe, Nina Hewelt und Alexander Wulfers | Leon Wansleben
Öffentliche Schulen, Krankenhäuser und Kitas sollen Ungleichheit abbauen. Doch eine Analyse der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung zeigt: In Deutschland ist der Zugang zu diesen Einrichtungen in wohlhabenden Gegenden systematisch besser als in ärmeren Vierteln. Wo die Quadratmetermiete einen Euro höher liegt, gibt es zehn Prozent mehr Schulen im Umkreis von drei Kilometern. In Gegenden mit niedrigen Mieten beträgt die Distanz zum nächsten Gymnasium fast 3,5 Kilometer, in teuren Wohngegenden weniger als 1,4 Kilometer. Die Bevölkerungsdichte erklärt diese Muster nicht. Der Soziologe Leon Wansleben zeigt in einer Untersuchung zu Kita-Standorten, dass eine schwache kommunale Bedarfsplanung „offenbar Gruppen bevorzugt, die ihre Interessen am wirksamsten artikulieren können“. Das sind im Zweifelsfall reichere Familien. Die Folge: Statt Chancengleichheit zu fördern, verstärkt die Verteilung öffentlicher Güter bestehende Privilegien und verschärft die soziale Ungleichheit weiter.
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