Franziska Wiest verteidigt Dissertation über das Vermögen superreicher Familien

15. Juni 2026

Ende April hat Franziska Wiest ihre Dissertation „Umkämpftes Vermögen: Patrimoniale Verhältnisse in superreichen Familien“ an der Universität zu Köln verteidigt. Die Arbeit untersucht, wie superreiche Familien ihr Vermögen über Generationen hinweg weitergeben, organisieren und legitimieren – ein Feld, das bislang schwer zugänglich und entsprechend wenig untersucht ist. Grundlage der Studie sind 33 Interviews mit Mitgliedern von neun superreichen Familien in Deutschland. Im Mittelpunkt stehen innerfamiliäre Konflikte. Jene Situationen, die die Beteiligten selbst als Gefährdung des Vermögenserhalts wahrnehmen, nutzt Wiest, um den Wandel von Normen, Werten und Machtverhältnissen innerhalb der Familien sichtbar zu machen. Ausgehend von Max Webers Idealtyp patrimonialer Herrschaft zeigt die Autorin, dass Vorstellungen väterlicher Autorität, familiärer Tradition und des Erstgeburtsrechts weiterhin wirksam sind. Zugleich erweisen sich diese Ordnungsmuster als anpassungsfähig. Dort, wo Leitbilder von Gleichheit und Fürsorge an Bedeutung gewinnen, werden mehr Familienmitglieder am Vermögen beteiligt; die Aufmerksamkeit verschiebt sich von einzelnen Führungsfiguren hin zur Familie als kollektivem Akteur. Eine zentrale Rolle spielen dabei professionelle Intermediäre wie Beraterinnen und Berater sowie Anwältinnen und Anwälte: Sie hegen Konflikte ein und sichern das Vermögen rechtlich wie emotional ab. Betreut wurde die Dissertation von Isabell Stamm (TU Berlin). Wiest war Doktorandin an der International Max Planck Research School on the Social and Political Constitution of the Economy (IMPRS-SPCE), der Graduiertenschule des MPIfG. Dem Institut bleibt sie als Postdoktorandin im Forschungsbereich Wirtschaftssoziologie verbunden.

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