Alles wandelt sich, aber nicht notwendig zum Besseren

26. Oktober 2026

Kölner Stadt-Anzeiger, Michael Kohler | Wolfgang Streeck

Wolfgang Streeck ist am 27. Oktober 80 Jahre alt geworden. Der emeritierte Direktor des MPIfG zählt zu den einflussreichsten Sozialwissenschaftlern Deutschlands. Im Gespräch mit dem Kölner Stadt-Anzeiger zeichnet er ein unbequemes Bild: Der Kapitalismus sei nicht die natürliche Lebensform des Menschen und Wandel bedeute nicht automatisch Verbesserung. Die westlichen Demokratien hätten sich mit Schulden Zeit gekauft, nun laufe sie ab. Den Zerfall der großen Volksparteien hält er für nicht abgeschlossen. Seine Sicht auf den Ukraine-Krieg stößt in der öffentlichen Debatte auf heftigen Widerspruch. Die Ursache liege nicht allein in Moskau, Europa könne keinen endlosen Krieg gegen eine Atommacht finanzieren. Streeck argumentiert nüchtern, erst beim Thema Krieg wird er unversöhnlich.
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