Warum uns keine deutschen Milliardäre einfallen
WDR 5, Politikum, Max von Malottki | Emma Ischinsky
Elon Musk und Mark Zuckerberg sind vielen ein Begriff. Fragt man hingegen nach deutschen Milliardären, fällt die Antwort schwerer. Emma Ischinsky, Soziologin am MPIfG, führt das im WDR-Format Politikum auf einen Unterschied in der Vermögensstruktur zurück: In den USA sind die größten Vermögen jünger und häufig in erster Generation entstanden. In Deutschland ist rund ein Drittel der Spitzenvermögen älter als der Erste Weltkrieg, acht Prozent der Unternehmen standen bereits vor hundert Jahren an der Spitze. Dieser Unterschied betrifft nicht nur die Sichtbarkeit, sondern auch die Erzählbarkeit von Reichtum. Aufstiegsgeschichten aus der Garage „funktionieren gut, um Reichtum und eine ungleiche Verteilung von Vermögen zu legitimieren“, sagt Ischinsky. Geerbtes Vermögen braucht eine solche Geschichte nicht, solange niemand nach seiner Herkunft fragt. Was in den USA öffentlich gerechtfertigt wird, bleibt in Deutschland weitgehend unhinterfragt.
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