Höhenflug im Reich der käuflichen Träume
Frankfurter Allgemeine Zeitung | Beitrag von Jens Beckert
Heute geht Elon Musks SpaceX an die Börse, im Herbst sollen OpenAI und Anthropic folgen. SpaceX strebt eine Bewertung von rund 1,75 Billionen US-Dollar an, drei Viertel des Börsenwerts aller DAX-Konzerne zusammen, weist für das erste Quartal 2026 aber einen Verlust von 4,3 Milliarden Dollar aus. Jens Beckert, Direktor des MPIfG, erklärt, worauf solche Bewertungen beruhen: nicht auf Geschäftszahlen, sondern auf imaginierten Zukünften. Die ersten dreizehn Seiten des SpaceX-Börsenprospekts zeigen fast nur Raketen und Planeten. Was den Kapitalismus antreibt, ist die Fähigkeit, sich eine Welt vorzustellen, die ganz anders ist als die erlebte. Investoren handeln, als ob diese Zukunft bereits Gegenwart wäre. Doch darin liegt zugleich die Achillesferse des Systems: Schwindet der Glaube an die Erzählung, bricht das ganze Erwartungsregime zusammen, wie beim Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000.
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