Die Erbengesellschaft

28. März 2026

ORF, Andrea Hauer | Interview mit Jens Beckert

Wer erbt, hat es leichter – wer nicht erbt, hat das Nachsehen. So schlicht lässt sich zusammenfassen, was Jens Beckert, Direktor des MPIfG, im Interview mit dem ORF ausführt. Seit den 1990er-Jahren verschiebt sich das Verhältnis von Leistung und Herkunft: Erbschaften bestimmen zunehmend, wer sich ein Haus in guter Lage leisten kann, wer im Alter abgesichert ist, wer Risiken eingehen kann. Rund 400 Milliarden Euro werden in Deutschland jährlich vererbt; das ist ungefähr so viel wie der gesamte Bundeshaushalt. Doch die Hälfte der Bevölkerung erbt überhaupt nichts. Den Begriff „Erbengesellschaft“ hält Beckert daher für irreführend: Er verschleiert, wie extrem ungleich Vermögen verteilt ist. Warum die Debatte um das Erben so emotional geführt wird, erklärt Beckert mit der „Sakralisierung des Vermögens“: Sie entsteht durch die Verbindung zwischen dem Vermögen und dem Tod eines nahestehenden Menschen. Das übergehende Vermögen gilt als sakrosankt, die Familie als ein schützenswerter Raum, den der Staat nicht antasten darf. Wer die Erbschaftsteuer erhöhen will, begeht in den Augen vieler ein Sakrileg.
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