Die Erbschaftsteuer als politisches Instrument
Deutschlandfunk | Beitrag von Jens Beckert
Rund 400 Milliarden Euro wechseln in Deutschland jedes Jahr durch Erbschaften und Schenkungen den Besitzer. Besteuert wird davon im Schnitt nur 2,5 Prozent. Ausgerechnet die größten Vermögen bleiben dabei oft verschont. Jens Beckert, Direktor des MPIfG, erklärt, warum die Erbschaftsteuer seit über einem Jahrhundert so erbittert umkämpft ist: Sie rührt an das Selbstverständnis einer Gesellschaft, die Wohlstand an Leistung knüpft, ihn aber über Generationen vererbt. Beckert deckt die Widersprüche auf. Familiäre Solidarität steht gegen das Prinzip der Chancengleichheit, der Schutz von Unternehmen gegen die wachsende Konzentration von Reichtum. Angesichts steigender Vermögensungleichheit und eines enormen öffentlichen Investitionsbedarfs plädiert er für eine nüchterne Neubewertung: Die Erbschaftsteuer kann soziale Ungleichheit nicht allein beseitigen. Aber sie kann ein Signal setzen, dass Herkunft nicht vollständig über Lebenschancen entscheiden soll.
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