»Die Kinder wollen ein Haus, die Eltern sagen: Hier sind 100.000 Euro«

13. Oktober 2026

Die Zeit, Jan Guldner | Interview mit Jens Beckert

Wer allein von seiner Arbeit lebt, bleibt verletzlich. Wer hingegen Vermögen besitzt, gewinnt Sicherheit und Handlungsspielraum. Für Jens Beckert, Direktor des MPIfG, liegt darin der Kern einer Entwicklung, die Deutschland immer mehr zu einer „Vermögensgesellschaft“ werden lässt. Seit der Nachkriegszeit ist das Verhältnis von Vermögen zu Einkommen von zwei zu eins auf etwa sechs zu eins gestiegen. Vermögen wächst also schneller als Einkommen und ist zugleich deutlich ungleicher verteilt. Wer erbt, kann Risiken leichter abfedern, beruflich mehr wagen und sich eher eine Immobilie leisten. Wer hingegen allein auf das eigene Einkommen angewiesen ist, kann diesen Vorsprung durch eigene Leistung kaum aufholen. So spaltet sich die Mittelschicht zunehmend danach, ob jemand neben dem Einkommen auch über Vermögen verfügt. Das Aufstiegsversprechen der Leistungsgesellschaft gerät dadurch ins Wanken. Die Folgen zeigen sich für Beckert weniger in offener Wut als vielmehr in Zynismus und Resignation. Ausdruck dessen ist der wachsende Pessimismus vieler junger Menschen, der an den gesellschaftlichen Rändern mitunter überraschende Formen annimmt.
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