Die Unabhängigkeit des globalen Südens? Der Einfluss chinesischer Investitionen auf die Entwicklung Kolumbiens

Clara Baumann

Jahrzehntelang haben Unternehmen aus dem globalen „Norden“ ihre Produktionsketten in den globalen „Süden“ ausgedehnt, und von deren günstigen Rohstoffen und Arbeitskräften profitiert. Diese Dynamiken hinderten ihre Zielländer jedoch oftmals an ihrer eigenen wirtschaftlichen Entwicklung und erhöhten deren Abhängigkeit von ihren nördlichen Investoren. Obwohl wirtschaftliche und politische Eliten teilweise von ihrer Zusammenarbeit mit ausländischen Unternehmen profitieren konnten, verstärkten diese Dynamiken die sozialen Ungleichheiten innerhalb der Zielländer erheblich. Erst seit Beginn des 21. Jahrhunderts stellen neue Wettbewerber aus dem globalen Süden – insbesondere aus China – diese traditionellen Paradigmen in Frage. Bestehende Forschung konzeptualisiert diese jedoch lediglich als neue „Kernländer“, die traditionelle Abhängigkeitsdynamiken verstärken. Das Dissertationsprojekt erforscht im Gegensatz dazu potenzielle neue Entwicklungen und Besonderheiten der Süd–Süd-Investitionen. Es untersucht, ob und inwiefern sich die Herkunftslandpolitik von Investoren aus verschiedenen Teilen der Welt in ihren Auswirkungen auf die Entwicklung des Ziellandes unterscheidet. Insbesondere stellt es die Frage, inwieweit die derzeitige Verlagerung von Nord–Süd- zu Süd–Süd-Investitionen den Arbeitskräften der Zielländer eine Stimme verleihen kann. Mithilfe qualitativer Analysemethoden und Elementen der Grounded Theory werden die kritischen Fälle US-amerikanischer und chinesischer multinationaler Unternehmen in Kolumbien verglichen. Projektdauer: Oktober 2020 bis März 2024.

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