Superreich und unbekannt
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Gerald Wagner | Emma Ischinsky
Fast ein Viertel der reichsten Deutschen taucht über mehr als zwei Jahrzehnte in keiner einzigen Zeitung auf. Dahinter steckt System. Emma Ischinsky, Soziologin am MPIfG, hat für ihre in Sociology erschienene und in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung besprochene Studie 1.718 Personen aus den Reichenlisten des Manager Magazins mit 143.774 Presseartikeln aus den Jahren 2001 bis 2023 abgeglichen. Ihr Befund: Am unsichtbarsten sind Vermögen, die zwischen 1918 und 1945 entstanden – in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus. Ischinsky deutet das nicht als Desinteresse der Medien, sondern als Strategie. NS-belastetes Vermögen gelte als besonders illegitim; die gezielte Abwesenheit aus dem öffentlichen Diskurs fungiere als Schutzschild. Unsichtbarkeit, so Ischinsky, ist kein Zufall. Sie strukturiert, was eine Gesellschaft über Reichtum und seine Quellen überhaupt wissen kann.
Erschienen in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 31.5.2026, S. 54











