Von Bargeld zu Plattformen: Fintech und die finanzielle Inklusion Lateinamerikas

Santiago Mandirola

Zwischen 2017 und 2021 stieg der Anteil der Erwachsenen in Lateinamerika mit einem Bankkonto von 55 auf 74 Prozent. In nur vier Jahren hatte die Region also ihren Rückstand bei der finanziellen Inklusion aufgeholt und fast den globalen Durchschnitt erreicht. Wie war dies zustande gekommen? Die COVID-Pandemie beschleunigte die digitale Abwicklung wirtschaftlicher Prozesse und brachte eine Reihe neuer Finanzinfrastrukturen hervor, die – zum Guten oder zum Schlechten – auf Bevölkerungsgruppen zugeschnitten waren, die historisch vom formellen Finanzsystem ausgeschlossen wurden. Auf der Grundlage von Erkenntnissen aus Wirtschaftssoziologie und Wissenschafts- und Technikforschung untersucht das Projekt, welche Praktiken und welche Arten von Fachwissen Regierungen, Banken und Fintech-Plattformen eingesetzt haben, um die finanzielle Inklusion mithilfe digitaler Technologien in Lateinamerika zu erweitern. Auf der Basis eines qualitativen Forschungsansatzes kombiniert die Untersuchung Archivforschung, teilnehmende Beobachtung bei lateinamerikanischen Fintech- und Digital-Banking-Veranstaltungen, z.B. Konferenzen und Seminare; mit halbstrukturierten Interviews mit Fachleuten aus Argentinien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Mexiko, Paraguay und Uruguay.

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