Gewerkschaften, Tarifverhandlungen und Einkommensstagnation in Europa
Joshua Cova
Vor dem Hintergrund stagnierender Löhne, wachsender Einkommensungleichheit und schwindenden institutionellen Einflusses untersucht das Projekt gewerkschaftliche Verhandlungsstrategien in unterschiedlichen Kontexten. Gewerkschaften reagieren auf ihre zunehmende institutionelle Schwäche mit neuen Strategien, darunter die Organisation von Arbeitsmarkt-Outsidern, Bündnisse mit der Zivilgesellschaft, die Bearbeitung „neuer sozialer Risiken“ und Living-Wage-Kampagnen. Ein bislang wenig erforschter Ansatz ist die Aushandlung von Zusatzleistungen. Wo Lohnsteigerungen schwer durchsetzbar sind, verhandeln Gewerkschaften zunehmend über betriebliche Altersvorsorge, ergänzende Gesundheitsleistungen und andere Nebenleistungen, welche die wirtschaftliche Sicherheit von Beschäftigten stärken und teilweise den Abbau von Sozialleistungen kompensieren können. Ihre Durchsetzungsfähigkeit ist jedoch ungleich verteilt. Das Projekt untersucht existenzsichernde Löhne und Zusatzleistungen als komplementäre Strategien und fragt, wie ihre Verbreitung und Ausgestaltung zwischen Wirtschaftssektoren, Regionen und Ländern variieren. Empirisch leistet es einen methodischen Beitrag durch die großangelegte Analyse von Tarifverträgen. Mithilfe von Text-as-Data-Verfahren entsteht ein neuartiger vergleichender Datensatz ausgehandelter Arbeitsbedingungen.