Die Rückkehr des Staates: Die Rolle technokratischer Eliten bei der Gestaltung von Wachstumspfaden

Camilla Locatelli

Technokratische Eliten spielen eine zentrale Rolle bei der Gestaltung nationaler makroökonomischer Politik. Die bestehende Literatur zu Wachstumsmodellen hebt zwar hervor, wie soziale Koalitionen die Wirtschaftspolitik beeinflussen, kann jedoch nur schwer erklären, wie solche Interessen in konkrete Fiskalpolitik umgesetzt werden, insbesondere angesichts der zunehmenden technischen Komplexität dieser Politik. Da nationale politische Entscheidungen immer komplexer geworden sind und oft durch supranationale Vorschriften (wie EU-Auflagen) eingeschränkt werden, sind nicht gewählte technokratische Eliten zu wichtigen Akteuren geworden, die gesellschaftliche und politische Interessen filtern, politische Prioritäten festlegen und die Grenzen realisierbarer Wirtschaftsstrategien festlegen. Das Projekt baut auf einer Dissertation auf und argumentiert, dass technokratische Eliten bestehende wirtschaftliche Interessen nicht nur widerspiegeln, sondern diese aktiv interpretieren und transformieren und so die Entscheidungen von Regierungen auf eine Weise beeinflussen, die in der politökonomischen Forschung oft übersehen wird. Ihr Fachwissen und ihre Fähigkeit zur Koordination ermöglichen es ihnen, als wichtige Vermittler zwischen Wachstumskoalitionen, politischen Akteuren und supranationalen Institutionen zu agieren, insbesondere in Krisenzeiten, in denen schnelle und technisch komplexe Entscheidungen erforderlich sind. Die Studie analysiert diese Dynamiken und leistet so einen Beitrag zu den Debatten über die Politik von Wachstumsmodellen, die Rolle des Staates in der makroökonomischen Governance und die autonome Rolle von bürokratischem Fachwissen und technokratischen Eliten in der wirtschaftlichen Entwicklung von Ländern.

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