Die politischen Kosten von Austeritätspolitik neu denken: Export- und Binnennachfrageabhängigkeit im Vergleich
Lucio Baccaro und Alessia Aspide
Sparmaßnahmen, wie die Kürzung öffentlicher Ausgaben und Steuererhöhungen sind nach wie vor ein prägendes Merkmal der politischen und wirtschaftlichen Landschaft Europas. Häufig als Allheilmittel für die Gesundung der öffentlichen Finanzen propagiert, schmälern Sparmaßnahmen auch das verfügbare Einkommen der Bürgerinnen und Bürger. Dies wiederum kann Auswirkungen auf den Binnenkonsum haben. Gleichzeitig steigt die Wettbewerbsfähigkeit von Exporten –insbesondere dann, wenn die Sparmaßnahmen auf Ausgabenkürzungen basieren. Obwohl die Forschung zu den wahlpolitischen Folgen von Austerität auf nationaler Ebene zu unterschiedlichen Ergebnissen kommt, verfolgt dieses Projekt einen anderen Ansatz und geht von der Hypothese aus, dass die wahlpolitischen Kosten von Austerität von der jeweiligen Wirtschaftsstruktur abhängen. Sparmaßnahmen, so die These, führen umso weniger zum Verlust von Wählerstimmen, je größer die Abhängigkeit von der Auslandsnachfrage. Weiterhin wird untersucht, inwiefern Komponenten der Gesamtnachfrage die politischen Reaktionen auf von außen auferlegte Haushaltskonsolidierungen beeinflussen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zur Literatur über Wachstumsmodelle und zum Verständnis der Faktoren, welche die Reaktionen der Bürger auf Austerität prägen.