Pricing Power: Die politische Ökonomie des Umstiegs auf erneuerbare Energien in Europa

Max Willems

Wer gewinnt durch die Dekarbonisierung, wer verliert – und warum? Während sich die sozialwissenschaftliche Forschung zur Klimapolitik lange auf Konflikte zwischen „grünen“ und „braunen“ Interessen konzentriert hat, verstehen neuere Ansätze Klimapolitik als Ergebnis von Aushandlungsprozessen zwischen wirtschaftlichen Akteuren und dem Staat. Obwohl der Stromsektor dabei im Zentrum steht, wurde er als Ort dieser Aushandlungen von der politökonomischen Forschung bislang weitgehend vernachlässigt. Strombepreisung ist jedoch inhärent politisch: Marktdesign, Subventionen, Tarifstrukturen und Netzentgeltregulierungen werden politisch gestaltet und können stark zwischen verschiedenen Produzenten- und Verbrauchergruppen unterscheiden. Regierungen nutzen die Strompreisgestaltung, um soziale Gerechtigkeit zu fördern, politische Kosten zu decken und industriepolitische Ziele zu verfolgen. Selbst innerhalb des europäischen Strombinnenmarktes führt die Strompreisgestaltung zu national stark variierenden Verteilungsergebnissen. Das Projekt zeigt dies auf, indem es den politischen Aushandlungsprozess über Kosten und Nutzen der erneuerbaren Energiepolitik in Deutschland, Schweden, Spanien und dem Vereinigten Königreich seit Mitte der 1990er-Jahre nachzeichnet. Es argumentiert, dass länderübergreifende Unterschiede die Fähigkeit zentraler wirtschaftlicher Akteure widerspiegeln, den Zugang zu günstigen Strompreisen als wesentlich für das jeweilige nationale Wachstumsmodell darzustellen. Diese Fähigkeit ist maßgeblich durch das energieindustrielle Erbe einer Volkswirtschaft geprägt. Anhand dieser Perspektive hebt die Studie zentrale Verteilungsdimensionen der Energiewende hervor, die bislang unzureichend berücksichtigt wurden.

Weitere interessante Beiträge

Zur Redakteursansicht