Summer Conference on Economy and Society

Jubiläumskonferenz

  • Beginn: 21.06.2026
  • Ende: 24.06.2026
  • Ort: Central European University, Vienna
Summer Conference on Economy and Society

Seit zwanzig Jahren findet jeden Sommer eine ungewöhnliche wissenschaftliche Tagung statt: die Summer Conference on Economy and Society. Was als kleiner Workshop begann, bringt Jahr für Jahr Promovierende und etablierte Forschende aus Europa und den USA zusammen. Im Mittelpunkt steht der Austausch zu Forschungsarbeiten an der Schnittstelle von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Daraus ist ein Netzwerk gewachsen, das Karrierewege und institutionelle Kooperationen langfristig prägt.

Im Sommer 2006 traf sich eine kleine Gruppe von Forschenden aus Soziologie und Politischer Ökonomie in der Villa Vigoni am Comer See – ein explorativer Workshop, nicht mehr. Doch aus diesem Treffen wurde eine Tradition. Der Ansatz ist ungewöhnlich: Im Zentrum stehen nicht fertige Ergebnisse oder prominente Vortragende, sondern Promovierende – und das Gespräch. Aus diesem Treffen entwickelte sich die Summer Conference on Economy and Society, die seit nunmehr zwanzig Jahren ein regelmäßiger Begegnungsort für Nachwuchsforschende sowie für Professorinnen und Professoren führender Universitäten beiderseits des Atlantiks ist. Das Format ist denkbar einfach: Über vier Tage hinweg wechseln sich Keynote-Vorträge von etablierten Forschenden mit intensiven Workshop-Sitzungen, in denen Promovierende ihre laufenden Dissertationsprojekte vorstellen, ab. Dahinter steht die Grundüberzeugung: Wissenschaftlicher Fortschritt entsteht durch kontinuierlichen akademischen Austausch über institutionelle, disziplinäre und akademisch-kulturelle Grenzen hinweg. Zum Netzwerk der Konferenz gehören seit ihrer Gründung das MPIfG, Sciences Po und die Northwestern University; später kamen die Brown University, die University of California, Berkeley, sowie die Central European University hinzu. Zeitweise waren auch die Harvard University, die Columbia University und das European University Institute Teil des Verbunds. Die Tagung findet alternierend an den beteiligten Institutionen statt. Ihre Kontinuität ist bemerkenswert: Aus einer einmaligen Initiative ist über die Jahre eine dauerhafte intellektuelle Brücke über den Atlantik geworden – ein Forum, das Forschungstraditionen und Generationen von Forschenden miteinander verbindet.

Dialog zwischen Forschungsfeldern

Wirtschaftssoziologie und Politische Ökonomie beschäftigen sich beide mit dem Kapitalismus, haben sich jedoch in unterschiedlichen disziplinären und nationalen Kontexten verschieden entwickelt. Die europäische Soziologie betont Institutionen, soziale Beziehungen und die gesellschaftliche Einbettung von Märkten; die amerikanische Politische Ökonomie arbeitet häufig stärker mit formalen Modellen, vergleichender Institutionenanalyse und Fragen öffentlicher Politik. Hier einen dauerhaften Dialog zu schaffen – das war das Ziel bei der Gründung. Diese Motivation gewann mit veränderten Rahmenbedingungen an Dringlichkeit. Die Finanzkrise von 2008, wachsende gesellschaftliche Ungleichheiten und die politischen Folgen wirtschaftlicher Transformationen zeigten: Ökonomische Prozesse lassen sich ohne ihre sozialen und politischen Kontexte nicht verstehen. Fragen zu Märkten erfordern Aufmerksamkeit auch für Institutionen, kulturelle Praktiken und politische Konflikte. Genau für diese Art integrativer Diskussion steht die Konferenz.

Thematisch blieb die Bandbreite bewusst offen. Die Beiträge behandelten Arbeitsmärkte, Wohlfahrtsstaaten, Unternehmensorganisation, Finanzsysteme, technologischen Wandel, Migration und Prozesse der ökologischen Transformation. Kein einheitliches Paradigma, kein enger Kanon: Der Wert der Konferenz liegt darin, die Teilnehmenden mit unterschiedlichen theoretischen Ansätzen und empirischen Strategien vertraut zu machen und sie anzuregen, ihre Forschung in einen breiteren wissenschaftlichen Zusammenhang einzuordnen.

Eine Konferenz für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Im Mittelpunkt der Summer Conference steht der wissenschaftliche Nachwuchs. Jede Partnerinstitution entsendet eine kleine Gruppe von Promovierenden, begleitet von Fakultätsmitgliedern, die in den Sitzungen die Rolle von Discussants einnehmen und moderieren. Präsentiert wird work in progress, keine abgeschlossenen Arbeiten. Das verändert die Atmosphäre grundlegend. Ohne den Druck, fertige Ergebnisse verteidigen zu müssen, verlaufen Diskussionen explorativ statt kompetitiv. Erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler geben ausführliches Feedback, methodische Hinweise und konstruktive Kritik. Mindestens ebenso wertvoll ist der Austausch unter den Promovierenden selbst: Sie begegnen Fragestellungen und Herangehensweisen, die an ihren Heimatinstitutionen möglicherweise keine Rolle spielen. Für viele ist die Summer Conference die erste Gelegenheit, ihre Forschung einem internationalen Publikum vorzustellen. Sie ist damit auch eine Schule für das Formulieren von Argumenten, den Umgang mit Kritik und die Einordnung der eigenen Arbeit in größere Debatten.

Netzwerke bilden

Über die Jahre ist so ein dichtes Netzwerk gewachsen: Fakultätsmitglieder kehren regelmäßig zurück; ehemalige Promovierende nehmen bisweilen erneut teil, sofern sie eine akademische Laufbahn verfolgt haben. Aus Begegnungen sind Kooperationsprojekte und institutionelle Partnerschaften entstanden, darunter auch Promotionsprogramme zwischen einzelnen Partnerinstitutionen. In einer Zeit großer, schnell getakteter Konferenzen und Kongresse folgt die Summer Conference bewusst einem anderen Modell. Wenige Teilnehmende, lange Sitzungen, im Mittelpunkt die Diskussion. Informelle Gespräche beim gemeinsamen Essen oder bei Spaziergängen gelten als wichtiger Teil der Veranstaltung und nicht als bloßer Rahmen. Zwei Jahrzehnte zeigen, wie unersetzlich persönliche Begegnung bleibt.

Der Wert der Kontinuität

Seit ihrer Gründung findet die Tagung jährlich statt, mit einer einzigen Unterbrechung während der Pandemie, als eine Ausgabe online durchgeführt wurde. Gerade diese Beständigkeit ist zu einer ihrer größten Stärken geworden. Kernthemen wie Kapitalismus, Ungleichheit und sozialer Wandel kehren regelmäßig wieder – in jeweils neuen empirischen oder theoretischen Zusammenhängen – und prägen so, leise aber nachhaltig, die Entwicklung wissenschaftlicher Forschungsarbeiten.

Der Wert der Summer Conference liegt damit auch in der Produktion und Weitergabe von Wissen. Sie begleitet Nachwuchsforschende in einer prägenden Phase: beim Erproben von Ideen, beim Schärfen von Forschungsdesigns, beim Aufbau professioneller Kontakte. Zugleich erhält sie den Dialog zwischen unterschiedlichen akademischen Traditionen lebendig. In einem Wissenschaftssystem, das zunehmend durch Spezialisierung und Wettbewerb geprägt ist, sind solche offenen Diskussionsräume nicht selbstverständlich. Indem die Konferenz Promovierende mit erfahrenen Forschenden verbindet und europäische mit amerikanischen Traditionen zusammenführt, stärkt sie die Fähigkeit der Sozialwissenschaften, wirtschaftliche und gesellschaftliche Transformationen zu verstehen.
Die Summer Conference war nie als spektakuläres Ereignis gedacht. Ihre Bedeutung beruht auf Kontinuität und der Tiefe des Austauschs, den sie ermöglicht. Aus einem einmaligen Treffen ist eine Gemeinschaft geworden – und aus einer Idee eine Praxis, die zeigt, wie Wissenschaft im besten Fall funktioniert.

 

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