Deindustrialisierungspolitik und wirtschaftliche Zukunftserwartungen

Timur Ergen

Alle reichen kapitalistischen Demokratien haben in den letzten vierzig Jahren Deindustrialisierungsprozesse durchlebt. Wie lässt sich wirtschaftlicher Strukturwandel, mit dem die Industrie zunehmend weniger wichtig für Beschäftigung und wirtschaftliche Entwicklung wird, erklären? Die bisherige Forschung verweist dafür vor allem auf Prozesse, über die Gesellschaften relativ wenig Kontrolle haben, etwa auf sektorale Unterschiede im Produktivitätswachstum, auf veränderte Konsumstrukturen und auf technologischen Wandel. Dass verschiedene Länder und Regionen in vielen Aspekten unterschiedlich mit Deindustrialisierungsprozessen umgegangen sind, können Theorien eines unilinearen Wandels hin zu Dienstleistungsgesellschaften jedoch nicht erklären. Das Projekt systematisiert diese unterschiedlichen regionalen Pfade wirtschaftlichen Strukturwandels und arbeitet ihre Ursachen mithilfe historischer Fallstudien Deutschlands und der USA heraus. Wie sind verschiedene soziale Gruppen mit Deindustrialisierung umgegangen? Wie sind neue Pfade wirtschaftlichen Wachstums, regionaler Spezialisierung und sozialen Ausgleichs im Strukturwandel entstanden? Die Untersuchung eines Prozesses tiefgreifenden sozialen Wandels soll erhellen, wie Akteure Zukunftserwartungen bilden und durchsetzen, wie Vorstellungen von gesellschaftlicher Modernisierung entstehen und wie gesellschaftliche Konflikte wirtschaftliche Wandlungsprozesse überformen. Systematisch trägt das Projekt damit zur Erforschung der Entstehung von Zukunftserwartungen in der Wirtschaft bei. Projektdauer: November 2015 bis Mai 2022.

Zur Redakteursansicht