Soziologie
Von Beruf bin ich Soziologe, auch wenn ich mittlerweile innerhalb des Fachgebiets eher ein Außenseiter bin. Spätestens Ende der 1960er-Jahre hatte die Soziologie sowohl in den Vereinigten Staaten als auch in Deutschland die Erforschung der Wirtschaft an eine eigenständige Disziplin – die Wirtschaftswissenschaften – abgetreten. Als Gegenbewegung dazu bildete sich eine dissidente Fraktion politischer Ökonomen, zu der ich mich schon sehr bald zählte. Später, in den 1980er-Jahren, entwickelten Soziologen eine Teildisziplin – die Wirtschaftssoziologie –, um diese Lücke zu schließen. Am MPIfG strebten Jens Beckert und ich eine Synthese zwischen politischer Ökonomie und Wirtschaftssoziologie an, um eine makrosoziologische und konflikttheoretische Perspektive auf Gesellschaften als Ganzes zurückzugewinnen. Ich verspürte deshalb kein besonderes Bedürfnis, mich an der Politik der Profession zu beteiligen, abgesehen von gelegentlichen Stellungnahmen zur Entwicklung der Disziplin und ihrer – schwindenden – öffentlichen Bedeutung.
