Geldanlage oder Lebenshaltungskosten: Wann übersetzen sich steigende Hauspreise in die Lohnentwicklung?

Erik Neimanns

In zahlreichen wohlhabenden westlichen Ländern sind die Immobilienpreise in den letzten Jahrzehnten stark angestiegen. Teilweise wurde diese Entwicklung bewusst gefördert durch eine lockere Kreditregulierung, niedrige Zinssätze und Anleihe- und Wertpapierkäufe der Zentralbanken. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen sind zwiespältig. Einerseits können steigende Hauspreise über einen Vermögenseffekt für Hausbesitzer die Binnennachfrage stärken. Andererseits sind die Hauspreise auch Bestandteil der Verbraucherpreise, was zu Inflation und einem Kaufkraftverlust der Löhne beitragen kann. Dieses Projekt untersucht den Übertragungskanal von Hauspreisinflation auf die Entwicklung der Verbraucherpreise und Löhne. Es formuliert Erwartungen darüber, wie sich die Berechnung der Verbraucherpreisindizes, institutionelle Merkmale der Tarifpolitik und die Zusammensetzung der Gewerkschaftsmitgliedschaft auf die Reaktionen der Gewerkschaften auf steigende Hauspreise auswirken. Die formulierten Erwartungen werden für eine Stichprobe von 31 westlichen Ländern für die Jahre 1994 bis 2019 anhand von Zeitreihen-Querschnittsanalysen getestet. Die Ergebnisse geben Aufschluss über die Auswirkungen der jüngsten Hauspreisentwicklungen auf nationale Wachstumsmodelle und resultierende Verteilungskonflikte.

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