Disziplin und Versprechen: Wirtschaftsideen und die Politik der Erwartungen in Lateinamerika
Stephan Gruber
Die Erfolgsgeschichte des Neoliberalismus in Peru begründet sich auf der Verknüpfung populistischer Zukunftsvisionen vom Unternehmertum der Armen mit der Disziplin der technokratischen Entpolitisierung der Wirtschaft. Das auf den Erkenntnissen einer vorausgegangenen Doktorarbeit basierende Projekt weitet die Analyse in einer vergleichenden Perspektive auf andere lateinamerikanische Länder aus. Das Projekt soll in eine Buchpublikation münden. Ideengeschichte, politische Ökonomie und Wissenssoziologie werden kombiniert, um die verschiedenen miteinander konkurrierenden Vorstellungen – wie Neoliberalismus, Entwicklungsdenken und den Sozialismus der Dependenztheorie– zu untersuchen und die historisch entstandenen Überschneidungen und Hybriditäten aufzuzeigen. Darüber hinaus wird untersucht, welchen Einfluss die periphere Stellung des lateinamerikanischen Kapitalismus sowie die erhöhten Erwartungen an dessen Fortentwicklung auf die Rolle imaginierter Zukünfte in der Region hatten und welchen Einfluss diese Prozesse darüber hinaus ausübten. Auf der Basis eines qualitativen Ansatzes, verbunden mit umfangreichen Archivarbeiten und Interviews an verschiedenen Orten, werden unterschiedliche, aber miteinander verbundene institutionelle und politische Bereiche analysiert, in denen diese Vorstellungen zum Tragen kamen – wie makroökonomische Politik, Rechtsrahmen für Eigentum und Finanzen.