Lange Zeit schien es so, als ob die auf Konsens und langfristige
Entwicklungen setzende deutsche Wirtschaftsordnung für den internationalen
Wettbewerb gut vorbereitet wäre. Inzwischen scheint allerdings mehr als
fraglich, ob die komparativen Vorteile des einst als vorbildhaft gepriesenen
"Modell Deutschland" noch hinreichend sind. Was bleibt angesichts von neuen
Herausforderungen und Reformbemühungen vom einstigen Zukunftsmodell? Wie
weitgehend sind die derzeit stattfindenden Wandlungsprozesse? Die Autorinnen
und Autoren des Bandes kommen aufgrund ihrer Analysen (z.B. zu betrieblichen
Pakten, Standortstrategien, Unternehmensverflechtungen, tripartistischen
Arrangements und Shareholder-Value-Orientierungen) zu differenzierten
Einschätzungen. Eine durchgängige Angloamerikanisierung der
Wirtschaftsordnung ist demgemäß aber kaum wahrscheinlich.
In den anhaltenden Diskussionen um Reformdruck und Reformblockaden wird
häufig vergessen, dass sich die deutsche Wirtschaftsordnung in den letzten
Jahren bereits erheblich verändert hat. Hier lohnt ein analytischer Blick
auf die tatsächliche Situation, damit die Debatte um die Zukunft der
deutschen Wirtschaftsordnung nicht auf Grundlage von falschen Prämissen
geführt wird.
Die Einschätzungen der Autoren passen in der Gesamtschau nicht in das Bild
der institutionellen Erstarrung, welches die öffentliche Diskussion derzeit
beherrscht. Vielmehr scheint sich ein Zustand eingestellt zu haben, bei dem
sich Altbekanntes mit Neuem "hybridisierend" mischt. Die Veränderungen
wurden nicht durch den modelltypischen Interessenausgleich, sondern primär
durch die Fähigkeit zur Durchführung von Traditionsbrüchen vorangetrieben.
Der beschriebene institutionelle Wandel hat viele verschiedene Facetten,
weil unterschiedliche Akteure an verschiedenen Stellen Traditionsbrüche
wagen oder von externen Einflüssen dazu getrieben werden. Die
Koordinierungsfähigkeit und Geschlossenheit des einstigen deutschen Modells
ist hierbei auf der Strecke geblieben.