Ein zuträglicher institutioneller Rahmen und der Verzicht auf politische
Eingriffe gelten vielfach als einzige Voraussetzung für
marktwirtschaftliches Wachstum. Demgegenüber zeigen die Beiträge dieses
Bandes, dass funktionierende Märkte nicht nur institutionell eingebettet
sein müssen, sondern darüber hinaus politischer "Pflege" bedürfen, die sich
sowohl in aktiver Förderung als auch in regulativer Zähmung äußert. Die
Analysen zur politischen Konstitution von Märkten in Entwicklungsländern,
Schwellenländern, postsozialistischen Reformstaaten und westlichen
Industrieländern deuten darauf hin, dass Märkte dort am erfolgreichsten
geschaffen und entwickelt wurden, wo Regierungen dezidiert
marktwirtschaftliche, zugleich aber auch pragmatische Eingriffe bevorzugten
statt sich ganz auf eine radikale Marktideologie einzulassen.
Einleitung Susanne Lütz und Roland Czada
Marktkonstitution als politische Aufgabe: Problemskizze und Theorieüberblick
Teil I · Theoretische Perspektiven
Vivien A. Schmidt
Still Three Models of Capitalism? The Dynamics of Economic Adjustment in
Britain, Germany, and France
Hartmut Elsenhans
Einbettende Strukturen oder steigende Masseneinkommen als Ursache von
Wachstum durch Marktwirtschaft
Burkard Eberlein
Regulierung und die Konstitution von Märkten in Europa
Rainer Freriks und Ulrich Widmaier
Die Veränderung der Strategie ökonomischer Akteure im Prozess der Entstehung
eines europäischen Binnenmarktes
Teil II · Länderstudien
Peter Imbusch
Marktkonstitution und die Erzeugung dynamischer Unternehmer als gewaltsames
politisches Zwangsprojekt: Chile
Simone Schwanitz
Marktschaffung auf regionaler Ebene: Variationen der staatlichen
Privatisierung in Russland
Roland Czada
Zwischen politischer Intervention und Marktdynamik: Sektorale und regionale
Marktschaffung in Ostdeutschland
Teil III · Sektorstudien
Elisabeth Wolf-Csanády
Kulturgut versus Ware Buch: Die deutsche Buchpreisbindung im Spannungsfeld
zwischen Kulturpolitik, Lobbyismus und europäischer Wettbewerbspolitik
Frank Nullmeier
"Mehr Wettbewerb!" Zur Marktkonstitution in der Hochschulpolitik
Jürgen Feick
Marktzugangsregulierung: Nationale Regulierung, europäische Integration und
internationale Harmonisierung in der Arzneimittelzulassung
Susanne Lütz
Die politische Regulierung globaler Finanzrisiken
Raymund Werle und Ulrich Müller
Der Kampf um den Markt: Technische Konvergenz, institutionelle Heterogenität
und die Entwicklung von Märkten in der technischen Kommunikation
Prof. Dr. Roland Czada ist Professor für Politikfeldanalyse und
Verwaltungswissenschaft an der FernUniversität Hagen.
Dr. Susanne Lütz ist Professorin an der FernUniversität Hagen,
Lehrgebiet Politische Regulierung und Steuerung. Von 1993 bis 2002 war sie
wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut für
Gesellschaftsforschung in Köln.