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 Forschungsprojekte am MPIfG

Einführung zu "Soziologie öffentlicher Finanzen und Schulden"

Leon Wansleben


 
Öffentliche Finanzen besetzen eine kritische Rolle in kapitalistischen Demokratien. Die Stärke der Demokratie hängt wesentlich davon ab, inwiefern Bürger an eine faire Verteilung der Steuerlast glauben und ob sie wahrnehmen, dass Steuern für legitime öffentliche Belange eingesetzt werden. Öffentliche Finanzen sind ebenso zentral für die Ermöglichung und Stabilisierung kapitalistischer Ökonomien, indem sie Ungleichheiten abfedern, öffentliche Güter bereitstellen und als Quelle gesamtwirtschaftlicher Nachfrage dienen. Als Schulden bilden sie zudem eine Grundlage für moderne Geld- und Kreditschöpfung. Über die vergangenen zwanzig Jahre ging jedoch die Fähigkeit von westlichen Staaten, Ungleichheiten durch faire Besteuerung und öffentliche Ausgaben auszugleichen, tendenziell zurück. Trotz ihrer zentralen Rolle in Finanzsystemen haben sich staatliche Akteure als unfähig erwiesen, finanzielle Instabilität und exzessive Finanzialisierung zu reduzieren, und Fiskalpolitik und öffentliche Investitionen wurden als Beitrag zu makroökonomischer Stabilisierung und öffentlicher Wohlfahrt vernachlässigt. Wie erklärt sich diese reduzierte Kapazität von Staaten, ihre Finanzen zur Herstellung öffentlicher Güter einzusetzen? Die Projekte der Forschungsgruppe adressieren diese Frage mithilfe einer vergleichenden Perspektive, mit Blick auf lokale, nationale und transnationale Prozesse sowie unter Nutzung qualitativer sowie quantitativer Forschungsstrategien.
 

 
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