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 Forschungsprojekte am MPIfG

Einführung zu "Politische Ökonomie von Wachstumsmodellen"

Lucio Baccaro


 
Der Ansatz der Wachstumsmodelle soll Gemeinsamkeiten wie auch Unterschiede im gegenwärtigen Kapitalismus erklären. Dabei richtet er die Aufmerksamkeit auf die Nachfragetreiber des Wachstums statt auf das Institutionengefüge zur Unterstützung der verschiedenen Produktionsregime (Spielarten des Kapitalismus). Zunehmende Ungleichheit (da gesellschaftlichen Gruppen mit einer höheren Sparneigung größere Einkommensströme zufließen) und eine stärkere Orientierung am Shareholder-Value (durch geringere Investitionen bei gegebenen Gewinnen) führen zu einem chronischen Überschuss von Ersparnissen gegenüber Investitionen und einer allgemeinen Tendenz zur Stagnation. Gleichzeitig unterscheiden sich die entwickelten Länder hinsichtlich ihrer Hauptquellen des Nachfragewachstums. Nach dem allgemeinen Rückgang des lohnorientierten (fordistischen) Wachstums – eines Modells, in dem das Wirtschaftswachstum durch die Reallöhne angetrieben wird, die wiederum den Konsum der Haushalte finanzieren – haben einige Länder den inländischen Nachfrageschwerpunkt beibehalten (auch wenn inzwischen ein leichterer Zugang der Haushalte zu Krediten an Bedeutung gewonnen hat, ebenso wie Vermögenseffekte). Andere Länder hingegen stützen sich vornehmlich auf exportorientiertes Wachstum. Wiederum andere kombinieren in- und ausländische Nachfragetreiber, während in weiteren Ländern kein hinreichend starker Treiber existiert und das Land stagniert. Die aktuellen Forschungsprojekte decken sowohl die politische Ökonomie als auch die Politik von Wachstumsmodellen ab. Sie umfassen unter anderem die Anwendung beziehungsweise Ausweitung des Wachstumsmodellansatzes auf bestimmte Länder; die Analyse gesellschaftlicher Koalitionen, die Wachstumsmodelle unterstützen; die Analyse individueller Präferenzen für Wachstumsmodelle und makroökonomische Maßnahmen im Allgemeinen; eine Erklärung der Wirkungen vorherrschender ökonomischer Diskurse; die Erforschung der Wirkung von Wachstumsmodellen auf politökonomische Ergebnisse; sowie die empirische Identifizierung von Wachstumsmodellen.
 

 
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