Das Zentrum für Sozialpolitik der Universität Bremen leistet als
interdisziplinäres und weltweit vernetztes Forschungsinstitut maßgebliche
Beiträge zur nationalen wie internationalen Sozialpolitikforschung.
Im nationalen Kontext erstreckt sich die Forschung auf die Institutionen,
die Funktionsweise und die Folgewirkungen deutscher Sozialstaatlichkeit, auf
die Systeme der sozialen Sicherung, ihre Beziehungen untereinander und ihre
Wechselwirkungen mit der Arbeitswelt, dem Bildungswesen und privaten
Lebensformen.
Über Deutschland hinaus gilt der Forschungsfokus in international
vergleichenden Untersuchungen den spezifischen sozialpolitischen
Entwicklungen in anderen Staaten, vor allem den USA, Großbritannien und
Skandinavien. Vervollständigt wird das Forschungsspektrum durch die
Betrachtung sozialpolitischer Entwicklungen in Europa und in transnationalen
Beziehungsgeflechten sowie durch die Analyse der normativen Grundlagen der
Sozialpolitik.
Mitglieder des Zentrums für Sozialpolitik (ZeS) sind eng in nationale und
internationale Forschungsnetzwerke der Sozialpolitikforschung eingebunden,
insbesondere durch Konferenzen und gemeinsame Forschungsprojekte. Dem
Austausch mit anderen Institutionen dient auch die Möglichkeit von
Gastaufenthalten auswärtiger Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen am
ZeS. Das ZeS befindet sich im ständigen Dialog mit politischen
Institutionen, kommunalen Gremien und Unternehmen. Die Kooperation mit
Vertreterinnen und Vertretern der sozialpolitischen Praxis ist ein
selbstverständlicher Bestandteil der Forschungsarbeiten und Projekte. Weit
über Bremen hinaus wirken Mitglieder des ZeS in vielen relevanten Gremien,
Institutionen und Organisationen an der Entwicklung und Innovation von
Sozialpolitik mit.
Sonderforschungsbereich "Staatlichkeit im Wandel" (Sfb 597)
Sozialwissenschaftliche Forschung ist arm an sinnlich vermittelbaren
Aktivitäten und Ergebnissen. Es gibt weder Labors noch Versuche, keine
Patente, keine neuen Maschinen oder Produkte. Entsprechend schwer ist zu
vermitteln, was sozialwissenschaftliche Forschung ausmacht. Und noch
schwerer ist es, eine Transferleistung sozialwissenschaftlicher Forschung in
die politische Praxis zu verdeutlichen. Und doch: Der
Sonderforschungsbereich 597 "Staatlichkeit im Wandel" unternimmt genau das.
65 meist junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Fächern
Politikwissenschaft, Soziologie, Rechts- und Wirtschaftswissenschaften,
getragen von der Universität Bremen, der International University Bremen und
der Hochschule Bremen sowie gefördert von der Deutschen
Forschungsgemeinschaft, haben sich ein sehr aktuelles und politisch
wichtiges Thema vorgenommen: Was passiert mit dem Staat?
Der klassische nationale demokratische Rechts- und Interventionsstaat ist im
Laufe von vier Jahrhunderten in vielfältige Rollen eingetreten, die sich in
vier Dimensionen verorten lassen: Ressourcen (Gewaltmonopol, Finanzen),
Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Wohlfahrt. In den 1960er und 1970er
Jahren hat er alle vier Dimensionen in einer Institution vereinigt. Seither
jedoch kommt es aufgrund von Globalisierung oder Individualisierung zu einer
Zerfaserung des Staates: Die vier Dimensionen verorten sich auf
verschiedensten Ebenen und in unterschiedlichsten Institutionen:
Internationale Organisationen, private Unternehmen, gesellschaftliche
Gruppen. Es gibt kein einheitliches Bild mehr, jede Dimension zerfasert
unterschiedlich. Weder gibt es einen Weltstaat noch verschwindet der
Nationalstaat. Vielmehr sehen wir ein System komplexen Weltregierens auf
diversen Ebenen mit all den Problemen, die sich aus dieser Komplexität
ergeben.
Im Sonderforschungsbereich wird in der ersten Phase (2003–2006) diese
Zerfaserung systematisch beschrieben. Nach erfolgreicher Begutachtung stehen
zwei weitere mögliche Phasen an: 2007 bis 2010 zur Erklärung dieses Wandels
und 2011 bis 2014 zur Frage der Auswirkungen dieses Wandels auf die
Bereitstellung öffentlicher Güter wie Sicherheit, Rechtsstaatlichkeit,
Demokratie oder Wohlfahrt.
Graduiertenfakultät – Bremen International Graduate School of Social Sciences (BIGSSS) University of Bremen / Jacobs University Bremen
Die "BIGSSS" ist eine Modelleinrichtung für eine dreijährige forschungsorientierte und strukturierte Doktorandenausbildung, orientiert am Muster angloamerikanischer Nachwuchsförderung. Ursprünglich gefördert von der VolkswagenStiftung und der Universität Bremen hat die BIGSSS 2002/03 als erste internationale sozialwissenschaftliche Graduiertenschule in der Bundesrepublik ihre Arbeit aufgenommen. Seit 2008 ist sie Teil der durch die Exzellenz-Initiative der Bundesregierung geförderten Doktorandenausbildung und eine Einrichtung der Universität Bremen zusammen mit der Jacobs University Bremen.
Kennzeichnend für die BIGSSS ist eine thematisch konzentrierte, curricular unterstützte und intensiv betreute Doktorandenausbildung. Die Themenfelder sind "Global Integration", "Integration and Diversity in the New Europe", "Social Integration and the Welfare State", "Attitude Formation, Value Change, and Intercultural Communication", "Life-Course and Lifespan Dynamics" sowie "Methods". Die Arbeitssprache ist Englisch.
Die Aufnahme von Absolventen und Absolventinnen mit Masterabschluss (oder Äquivalenten) erfolgt über wettbewerbsorientierte Auswahlverfahren auf der Grundlage internationaler Ausschreibung. Die BIGSSS kooperiert auf der Basis von gemeinsamen Forschungsinteressen mit zahlreichen europäischen und angloamerikanischen Universitäten, darunter dem Programm "Social policy and Social Inequality" der Kennedy School of Government der Harvard University.