Simone Leiber und Armin Schäfer Der doppelte Voluntarismus in der EU-Sozial- und Beschäftigungspolitik.
In: Ingeborg Tömmel (Hg.), Die Europäische Union: Governance und
Policy-Making. Politische Vierteljahresschrift, Sonderheft 40/2007.
Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, 2008, 116–135.
Abstract
This article analyzes the emergence of new modes of Governance in EU social
and employment policy since the beginning of the 1990s. Developments in two
directions are shown: As far as negative integration is concerned,
supranational centralization has gained importance. In contrast, positive
integration is increasingly characterized by "soft", co-operative modes of
governance. If governments fail to reach a consensus on the transfer of
competences to the European level, they increasingly resort to non-binding
instruments. In particular with regard to Social Dialog a "twofold
voluntarism" – on the level of procedures and contents – emerges. Taking
both developments into account, we neither find evidence that hierarchy as a
relevant mode of EU governance vanishes, nor do we detect a convergence of
governance modes in different policy fields.
Zusammenfassung
Dieser Beitrag analysiert die seit Anfang der 1990er-Jahre neu entstandenen
Governance-Modi in der Sozial- und Beschäftigungspolitik der EU. Dabei zeigt
sich eine Ausdifferenzierung in zwei Richtungen: Im Bereich der negativen
Integration hat supranationale Zentralisierung weiter an Bedeutung gewonnen.
Positive Integration ist dagegen zunehmend weichen, kooperativen
Steuerungsformen unterworfen. Auf unverbindliche Verfahren wird zurückgegriffen,
wenn der Konsens zur Vergemeinschaftung fehlt. In diesen Fällen lässt sich ein
doppelter Voluntarismus – bei den Verfahren und den Inhalten – konstatieren, der
vor allem den Sozialen Dialog betrifft. In der Gesamtschau kann eine Verdrängung
der Hierarchie als relevanter Modus der EU-Governance ebenso wenig
diagnostiziert werden wie eine Konvergenz der Governance-Formen zwischen
Politikbereichen.