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 MPIfG Discussion Paper 95/6

Marian Döhler und Philip Manow


Formierung und Wandel eines Politikfeldes -
Gesundheitspolitik von Blank zu Seehofer


 

Abstract


 
Policy sectors are subject to a process of development which is neither easy to explain nor to comprehend empirically. This paper tries to contribute to a better understanding of policy sector evolution by employing an analytical distinction between political decision structures and sectoral constellations of interests. Using the history of German health policy since the late 1950s as a case, both dimensions are analyzed with regard to their particular differentiation and their mutual influence on each other. By contrasting different points in time, evidence is provided that the same factors, which routinely are used to explain the failure of major reform-attempts in the health sector such as coalition government, federalism and interest group power are by no means stable over time. Rather these factors are subject to change which, to a significant extent, resulted from the interaction between the decision structures and the constellations of interests. This description of the formation and the change of a policy field leads to methodological conclusions as well as to conclusions referring to the change of political decision processes in the German political system in general.
 

Zusammenfassung


 
Gesellschaftliche Teilsektoren unterliegen einer Entwicklungsdynamik, deren empirische Erfassung und Erklärung vor nicht geringen Problemen steht. Die vorliegende Untersuchung versucht mit Hilfe der analytischen Unterscheidung zwischen politischen Entscheidungsstrukturen und sektoralen Interessenkonstellationen zu einem besseren Verständnis der Politikfeldgenese zu gelangen. Anhand der Geschichte des bundesdeutschen Gesundheitssektors seit den 50er Jahren werden beide Dimensionen unter dem Gesichtspunkt ihrer jeweils spezifischen Ausdifferenzierung sowie ihrer wechselseitigen Beeinflussung analysiert. Durch die Kontrastierung unterschiedlicher Zeitpunkte wird deutlich, daß jene Faktoren wie Mehrparteienkoalitionen, föderale Entscheidungsverflechtungen und Einflußnahme durch organisierte Verbandsinteressen, denen überwiegend die bisherige Blockierung von Gesundheitsreformen zugeschrieben wird, keine zeitlich invarianten Größen darstellen, sondern selbst erheblichen Veränderungen unterliegen, die durch die Interaktionen zwischen Entscheidungsstrukturen und Interessenkonstellation mit hervorgerufen werden. Aus dieser Darstellung der Formierung und des Wandels eines Politikfeldes ergeben sich sowohl methodische als auch generell auf die Veränderung politischer Entscheidungsverfahren in der Bundesrpublik bezogene Schlußfolgerungen.
 

Contents


 
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Interessenkonstellationen und Entscheidungsstrukturen
2 Gesundheitspolitik im Wandel der Entscheidungsstrukturen
2.1 Dimensionen der Ausdifferenzierung des gesundheitspolitischen Entscheidungssystems
2.2 Die Formierung des gesundheitspolitischen Entscheidungsgefüges
2.3 Akteurwechsel, Rollenfindung und veränderte Interessen im gesundheitspolitischen Entscheidungssystem
3 Gesundheitspolitische Interessenkonstellationen im Wandel
3.1 Positionsveränderungen im Verhältnis Staat - Verbände
3.2 Die Ausdifferenzierung von Rollen und Interessen im gesundheitspolitischen Akteursystem
3.3 Ordnungspolitische Leitbilder und reformpolitische Strategiediskurse
4. Schlußfolgerungen

 
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