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 MPIfG Discussion Paper 94/3

Tobias Robischon, Andreas Stucke, Jürgen Wasem, Hans-Georg Wolf


Die politische Logik der deutschen Vereinigung und der Institutionentransfer:
Eine Untersuchung am Beispiel von Gesundheitswesen, Forschungssystem und Telekommunikation


 

Abstract


 
This paper analyzes the 1990 decisions on the institutional structures in East Germany after the unification. It starts from two findings of political science which - at a first glance - seem to be incompatible: On the one hand, unification politics took place in an exceptional situation which, according to a widely held view, gave central government an extraordinary souvereignty in decisions. On the other hand, the decisions actually made did not reflect the interests of central government in changing the status quo, but led almost entirely to the unmodified transfer of West German institutions. This apparently paradoxical result can be explained by the pre-unification situation in West German policy sectors. Three sectoral dimensions explain the results of unification politics: consent vs. dissent among the actors in institutional issues; "Politikverflechtung" vs. the dominance of a single actor; and (eventually) an interest of the dominating actor in changing the status quo. Taking three policy sectors - health care, research and telecommunications - as examples, the paper demonstrates how different combinations of these three dimensions resulted in the transfer of West German institutions to East Germany.
 

Zusammenfassung


 
Der vorliegende Beitrag untersucht die 1990 im Kontext des Vereinigungsprozesses getroffenen Entscheidungen über die künftige institutionelle Struktur Ostdeutschlands. Ausgangspunkt sind zwei politikwissenschaftliche Befunde, die zunächst nicht leicht vereinbar scheinen: Einerseits lief die Vereinigungspolitik nach einer gängigen Sichtweise unter Ausnahmebedingungen mit außergewöhnlicher Entscheidungssouveränität des westdeutschen Zentralstaats ab, andererseits aber spiegelten die getroffenen Entscheidungen nicht etwa materielle Veränderungsinteressen des Bundes wider, sondern bedeuteten in der Regel den unmodifizierten Transfer westdeutscher Institutionen. Dieses scheinbare Paradox löst sich jedoch im Blick auf die vorgängige Situation in den einzelnen funktionalen Sektoren der alten Bundesrepublik auf. Das Ergebnis der Vereinigungspolitik läßt sich auf drei sektorale Merkmale zurückführen: institutioneller Konsens oder Dissens; Politikverflechtung oder Dominanz eines einzelnen Akteurs; und (gegebenenfalls) Veränderungswünsche des dominanten Akteurs. Am Beispiel dreier Sektoren - Gesundheitswesen, Forschungssystem und Telekommunikation - wird gezeigt, wie unterschiedliche Kombinationen dieser drei Merkmale das Resultat des Vereinigungsprozesses hervorbrachten: den Institutionentransfer nach Ostdeutschland.
 

Inahlt


 
1. Einleitung
1.1 Kontinuität als Ergebnis eines Kontinuitätsbruchs - ein Paradox?
1.2 Möglichkeiten der Auflösung des Paradoxes
1.3 Die sektoralen Grundlagen des Institutionentransfers
2. Die Ausgangssituation in den Sektoren der alten Bundesrepublik
2.1 Gesundheitswesen
2.2 Forschungssystem
2.3 Telekommunikation
2.4 Zusammenfassende Einordnung der Sektoren
3. Der Weg zur Einheit in den ausgewählten Politikbereichen
3.1 Gesundheitswesen
3.2 Forschungssystem
3.3 Telekommunikation
4. Fazit: Institutionentransfer als Ergebnis sektoraler Politikverflechtung
Literatur

 
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