Following the debate on the relationship between capitalism and religion, this paper
discusses the role of religion in present-day capitalism. It argues that neither the secularization
thesis nor the influential concepts of a "return" or a "transformation" of religions
can offer a convincing interpretation of the challenges religions are faced with in
modern capitalism. Partially following Habermas, the paper outlines an interactionist
reinterpretation of Durkheim's theory of religion. It shows that from the viewpoint of
such an interpretation, it is possible that the place of religion in modern societies can be
filled not only by manifestly religious systems of meaning, but also by nominally nonreligious
ones. I argue that the capital form of money can, in fact, assume the function
of such a "latent" religion in an apparently "secularized" world. Nevertheless, to simply
equate capitalism with religion, as many authors have suggested, would be shortsighted.
Rather, as a characterization of the contemporary relationship between capitalism and
religion, Paul Tillich's concept of the "demonic" appears more promising.
Zusammenfassung
Anknüpfend an die Debatte über das Verhältnis von Kapitalismus und Religion bemüht
sich der Beitrag um eine Klärung der Rolle der Religionen im gegenwärtigen Kapitalismus.
Weder die in der Soziologie entwickelten Theorien der Säkularisierung und
Modernisierung noch die gegenwärtig einflussreichen Thesen einer religiösen "Wende"
oder "Transformation" können den Herausforderungen, mit denen die Religionen im
gegenwärtigen Kapitalismus konfrontiert sind, wirklich gerecht werden. Der Beitrag
skizziert, teilweise an Habermas anknüpfend, eine interaktionstheoretische Reformulierung
von Durkheims Religionstheorie. Aus dieser Reformulierung ergibt sich die
These, dass der Platz der Religion in modernen Gesellschaften auch durch nominell
nicht religiöse Sinnsysteme eingenommen werden kann. Die Kapitalform des Geldes
kann, wie dann gezeigt wird, die Funktion einer solchen "latenten" Religion in einer
vermeintlich "säkularisierten" Welt einnehmen. Es wäre gleichwohl verkürzt, Kapitalismus
und Religion einfach gleichzusetzen, wie eine Reihe Autoren es vorgeschlagen
haben. Vielmehr bietet Paul Tillichs Theorie des "Dämonischen" eine überzeugendere
Konzeptualisierung des gegenwärtigen Verhältnisses von Kapitalismus und Religion.
Contents
1 Introduction
2 Main lines of the debate on capitalism and religion
3 Discussion
4 An interactionist reformulation of Durkheim's theory of religion