Mitbestimmung im Unternehmensvergleich: Ein Konzept zur Messung des Einflusspotenzials der Arbeitnehmervertreter im mitbestimmten Aufsichtsrat
Abstract
In this paper, we present an index for measuring the influence potential of employee
representatives in the codetermined supervisory boards of large German companies.
The index is the sum of five dummy variables. There is a high level of codetermination
if (1) employees' representatives make up half of the supervisory board, (2) the supervisory
board has a neutral member appointed jointly by the employees’ representatives
and management, (3) the vice-chairperson of the supervisory board is a trade union
official from outside the company, (4) the labor relations manager (Arbeitsdirektor) is
a trade union member, and (5) employees' representatives make up half of the supervisory
board’s audit committee. Having compiled the requisite data from 82 of the 100
largest German companies, we find high levels of codetermination mainly within the
cross-shareholding network referred to as "Germany Inc.," and largely low ones in family-
owned companies. Our index can be used to test hypotheses about the determinants
of different levels of supervisory board codetermination and assumptions about codetermination’s
economic and social impact.
Zusammenfassung
In diesem Beitrag schlagen wir einen Index zum Einflusspotenzial der Arbeitnehmervertreter
im mitbestimmten Aufsichtsrat vor, der sich aus der Addition von fünf Dummy-
Variablen ergibt. Von einem hohen Einflusspotenzial der Arbeitnehmervertreter wird
ausgegangen, wenn (1) der Aufsichtsrat hälftig mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist,
(2) der Aufsichtsrat über ein neutrales Mitglied zur Auflösung von Pattsituationen verfügt,
(3) der stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende unternehmensexterner Gewerkschaftsfunktionär
ist, (4) ein Gewerkschaftsmitglied zum Arbeitsdirektor bestellt wurde
und (5) der Prüfungsausschuss hälftig mit Arbeitnehmervertretern besetzt ist. Entsprechende
Daten erheben wir für 82 der 100 größten deutschen Unternehmen. Ein Abgleich
mit Strukturmerkmalen der Unternehmen zeigt, dass sich überdurchschnittlich
mitbestimmte Unternehmen vor allem innerhalb des Kapitalverflechtungsnetzwerks
der "Deutschland AG" befinden, und dass Mitbestimmungsvermeidung vor allem bei
Unternehmen in Familieneigentum vorkommt. Der Index kann in der empirischen
Mitbestimmungsforschung eingesetzt werden, um Hypothesen über die Bestandsvoraussetzungen
sowie über die sozialen und wirtschaftlichen Wirkungen der Unternehmensmitbestimmung
zu testen.
Inhalt
1 Einleitung: Mitbestimmungsforschung im Elfenbeinturm?
2 Der Mehrwert eines unternehmensbezogenen Mitbestimmungsindex
3 Grundentscheidungen zur Konstruktionsweise des Mitbestimmungsindex
4 Latentes Mitbestimmungspotenzial
5 Das Untersuchungssample
6 Die Einzelkriterien
Zugehörigkeit zu den Wirkungskreisen der Mitbestimmungsgesetze
Arbeitsdirektor
Stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender
Besetzung des Prüfungsausschusses
7 Bildung und Sichtung des Mitbestimmungsindex
8 Mitbestimmungspotenzial und Strukturmerkmale der Unternehmen
9 Ausblick: Die nächste Mitbestimmungsdebatte kommt bestimmt