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 MPIfG Discussion Paper 08/7

Ulrich Dolata


Das Internet und die Transformation der Musikindustrie:
Rekonstruktion und Erklärung eines unkontrollierten sektoralen Wandels


 

Abstract


 
Since the late 1990s, the music business has been experiencing a period of crisis. A new set of technologies – digitization, data compression and the Internet - has forced significant changes on the industry. This paper analyzes the repercussions of this new technological constellation on the socioeconomic structures and institutions of the sector to show that the constitutive impulses for restructuring came from the fringes of the industry and from external actors. Established companies in the music business were hesitant to meet these new technological challenges. They initially reacted with blockades and containment strategies, and only repositioned themselves strategically when the pressure to change grew massive and unavoidable. This paper argues that there were several factors in play that thwarted the ability to anticipate and adapt to these technological, organizational and institutional challenges. These include (1) general difficulties in anticipating the socioeconomic impact of fundamentally new technological opportunities; (2) the complex and time-consuming process of establishing a new techno-institutional match; (3) the sector's technological conservatism and (4) oligopolistic structure along with (5) the structural hierarchy in companies at the center. Taken together, these factors prevented the established core players from effecting a controlled transformation of the sector.
 

Zusammenfassung


 
Die Musikindustrie befindet sich seit Ende der 1990er-Jahre in einer tiefen und anhaltenden Restrukturierungskrise, die maßgeblich durch ein neues Set an Technologien – Digitalisierung, Datenkomprimierung und das Internet – angestoßen worden ist. In diesem Aufsatz werden die Wirkungen dieser neuen technologischen Konstellation auf die sozioökonomischen Strukturen und Institutionen des Sektors sowie auf die Handlungsorientierungen seiner Kernakteure untersucht. Die Rekonstruktion des technikgetriebenen Wandels der Musikindustrie zeigt, dass die wesentlichen Impulse der Restrukturierung von den Rändern des Sektors beziehungsweise von sektorexternen Akteuren ausgingen – und nicht von den etablierten Musikkonzernen. Diese haben die neuen technologischen Herausforderungen sehr zögerlich aufgenommen, darauf zunächst vor allem mit Blockadehaltungen und Eindämmungsstrategien reagiert und erst vor dem Hintergrund eines massiven und unabweisbaren Veränderungsdrucks damit begonnen, sich strategisch neu zu positionieren. Die geringe Antizipations- und Adaptionsfähigkeit der zentralen Akteure der Musikindustrie wird aus dem Zusammenspiel mehrerer Faktoren erklärt. Neben (1.) generellen Schwierigkeiten der Antizipation grundlegend neuer technologischer Möglichkeiten und (2.) aufwendigen Prozessen der Etablierung neuer, zu ihnen passender institutioneller Rahmenbedingungen haben (3.) der technologische Konservatismus und (4.) die oligopolistische Struktur des Sektors zusammen mit (5.) den hierarchischen Organisationsstrukturen seiner führenden Unternehmen einen vom Kern des Sektors ausgehenden und durch ihn kontrollierten Wandel blockiert.
 

Inhalt

 
1 Neue Technologien und sektorale Restrukturierung – Eingangsüberlegungen und Untersuchungsgegenstand
 
2 Musikindustrie in der Krise – Empirische Evidenzen
 
3 MP3, das Internet und die Transformation der Musikindustrie – Eine sozioökonomische Rekonstruktion
 

Die Vorgeschichte: Fehlender Kopierschutz bei CDs und offenes MP3-Format

Pre-Napster: Rechtsetzungsaktivitäten, DRM-Initiativen und erste Internet-Pilotprojekte der Industrie

Von Napster zu iTunes: Tauschbörsen, Filesharing und Positionierungsversuche der Musikkonzerne im Online-Vertrieb

iTunes und die Folgen: Branchenexterne Newcomer, Rückkehr zum alten Vertriebsmodell auf digitaler Basis und Abkehr von DRM-Systemen
 

4 Disruptive Technologien – Strukturkonservative Strategien. Überlegungen zur Adaptionsfähigkeit des Sektors und seiner Akteure
 

Große technologische Eingriffstiefe – geringe sektorale Adaptionsfähigkeit: Krisenhafter und unkontrollierter sektoraler Wandel

Adaptions(un)fähigkeit: Strukturelle, institutionelle und organisationale Zugänge
 

5 Radikaler Bruch oder gradueller Wandel? Überlegungen zur Transformation des Sektors
 
Literatur

 
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