Wer beherrscht die Unternehmen?
Shareholder Value, Managerherrschaft und Mitbestimmung in
Deutschland
Frankfurt a.M.: Campus, 2006
Exposé
Die neunziger Jahre haben die deutsche Unternehmenslandschaft verändert und
der angloamerikanischen Praxis angenähert. Große deutsche Unternehmen
entdecken die Aktionärsinteressen zunehmend als Parameter der
Unternehmenspolitik. Wie kam es zu diesem Wandel? Ist Shareholder Value
kompatibel mit dem deutschen System der Arbeitsbeziehungen, das durch ein
hohes Maß an Regulierung, zentrale Lohnfindung und Mitbestimmung
gekennzeichnet ist? Anhand eines Vergleichs der 40 größten Unternehmen
analysiert der Autor Ursachen und Konsequenzen des Trends zu
aktionärsorientierter Unternehmensführung. Diese Erkenntnisse werden auf die
Debatte über unterschiedliche Spielarten des Kapitalismus (Varieties of
Capitalism) bezogen.
Höpner entwickelt ein Verfahren zur Einschätzung der
Shareholder-Value-Orientierung der betrachteten Unternehmen und zeigt, dass
Aktionärsorientierung durch drei unternehmensexterne Mechanismen angestoßen
wird: Durch den Grad an Wettbewerb auf den internationalen Produktmärkten,
durch institutionelle Anleger und die Gefahr feindlicher Übernahmen. Bei den
Führungskräften fallen diese Anstöße auf fruchtbaren Boden. Durch die
Wettbewerbszunahme auf dem Arbeitsmarkt für Führungskräfte und die
Amerikanisierung der vorherrschenden Karrieremuster von Managern haben sich
die Leitbilder erfolgreicher Unternehmensführung verändert.
Aktionärsorientierte Unternehmensführung ist zudem von steigenden Entgelten
der Führungskräfte begleitet.
In den Arbeitsbeziehungen erweisen sich Shareholder-Value-Unternehmen nicht
als besonders konflikthaft, sondern als überdurchschnittlich konfliktscheu.
Sie gehören zu den Gewinnern des deutschen Systems der Tarifverträge und
akzeptieren den Bestand der Mitbestimmung. Die Haltung der Betriebsräte und
Gewerkschaften zu aktionärsorientierter Unternehmensführung ist ambivalent.
Während sie die zunehmende Transparenz und den Schutz der Kleinanleger
begrüßen, werden Strategien der Konzentration auf Kerngeschäfte kritisch
begleitet. Bei Umstrukturierungen, zeigen sich unterschiedliche
Konfliktlinien zwischen Aktionären, Managern und Betriebsräten.
Shareholder-Value-Unternehmen stoppen das Unternehmenswachstum, um die
Rentabilität zu steigern. Da dies mit steigenden Durchschnittslöhnen der
Kernbelegschaften einhergeht, können kapitalmarktorientierte Umbaumaßnahmen
in der Regel im Konsens mit den Belegschaften durchgeführt werden.