Veranstaltungen der Sektion Wirtschaftssoziologie zum DGS-Kongress 2012

Plenum, Sektionssitzung
 
Während des 36. DGS-Kongresses 2012 in Bochum/Dortmund wird es ein von den Sektionen Wirtschaftssoziologie und Professionssoziologie gemeinsam organisiertes Plenum sowie zwei Sektionssitzungen geben.
 
Vorläufiges Programm der Veranstaltungen zum Herunterladen [PDF]
 

Ökonomische Dynamiken und Gefährdungen sozialer Ordnung

Die moderne Sozialtheorie schreibt der Wirtschaft seit langem eine zentrale Rolle für die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts zu. Auf der einen Seite wird von Klassikern wie Adam Smith, David Ricardo u.a. argumentiert, dass sich gesellschaftlicher Zusammenhalt und materieller Wohlstand letztlich aus dem »wohlverstandenen Eigeninteresse« der Menschen vermittelt über Tausch ergeben würde. Auf der anderen Seite stellen soziologische Theorien und Analysen eher auf die zerstörerischen Dynamiken und die desintegrativen Kräfte der modernen kapitalistischen Ökonomie ab: Karl Marx prominent in "Das Kapital"; Emile Durkheim in der der sozialen Arbeitsteilung und Karl Polanyi in seinen historischen Untersuchungen zur Freisetzung des Marktmechanismus.
 
Ist es wirklich so, dass ökonomische Dynamiken heute soziale Ordnungen gefährden, wie es in manchen Diskussionen um die desintegrativen Kräfte der Wirtschaft scheint? Wenn angesichts neuer Formen der Prekarisierung und dramatischer ökonomischer Krisendynamiken das relative Wohlstandsniveau moderner westlicher Gesellschaften bedroht wird, dann ist auch die Frage nach sozialer Integration neu zu stellen. Damit rücken neben materiell-ökonomischen auch die sozialkulturellen Voraussetzungen des Zusammenhalts innerhalb der Gesellschaft wieder stärker in den Vordergrund. Die Soziologie hat in den letzten Jahren in verschiedenen theoretischen Kontexten und Anwendungsfeldern gezeigt, dass die Funktionsfähigkeit des Wirtschaftssystems von grundlegenden sozialkulturellen Faktoren abhängt, diese jedoch nur teilweise reproduziert – vielmehr oftmals sogar noch vernutzt (Zeitrhythmen, Solidaritätserfahrungen, Vertrauen, professionelle Wertorientierungen u.a.).
 
Damit stehen aber jene sozialen Mechanismen zur Disposition, welche die Grundlagen sozialen Zusammenlebens und ökonomischer Entwicklung sicher- und herzustellen vermögen. Insbesondere ist zu fragen, welche Akteure und Institutionen heute noch soziales Handeln in wirtschaftlichen Feldern und gesellschaftlichen Zusammenhalt stützen und wie sie sich zu normativ-kulturellen Erwartungsmustern der Gesellschaft verhalten. Prozesse einer Moralisierung von Märkten etwa durch alternative Konsumorientierungen sind daraufhin ebenso zu hinterfragen wie neuere Protestbewegungen (occupy, Stuttgart 21 usw.) oder ein als sozial deklariertes Handeln von Unternehmen oder Superreichen (Corporate Social Responsibility, Stiftungen usw.). Damit richtet sich der Blick auf die Institutionen und Akteure, die anomische Entwicklungen und Krisendynamiken in der Wirtschaft grundsätzlich einzuhegen vermögen, vor allem aber auch auf die Rolle, welche Professionen und professionelles Handeln, die traditionell marktfern organisiert waren, dabei spielen. Willkommen sind sowohl theoretisch-konzeptionelle als auch empirische Beiträge.
 

Sektionsveranstaltungen "Aktuelle wirtschaftssoziologische Forschungen 1 + 2"

Die Sektionsveranstaltungen sind thematisch offen. Erwünscht sind Beiträge, in denen aktuelle wirtschaftssoziologische Forschungen vorgestellt werden, die sich aus kürzlich abgeschlossenen oder kurz vor dem Abschluss stehenden Forschungsprojekten speisen. Es sind theoretische und empirische Arbeiten willkommen.
 

 

Organisation und Kontakt

Jürgen Beyer

Telefon ++49 (0)40 42838-3229

 
Rainer Diaz-Bone

Telefon ++41 (0)41 2295559

 
Jens Beckert

Telefon ++49 (0)221 2767-216

 
Andrea Maurer

Telefon ++49 (0)89 6004-2883

 


MPIfG: Konferenz "Veranstaltungen der Sektion Wirtschaftssoziologie zum DGS-Kongress 2012" | http://www.mpifg.de/projects/wisoz-dgs-2012/index_de.asp [Zuletzt geändert 25.03.2014 18:01]