Forschungsprojekt "Die Produktion von kulturellen Bedeutungen und Bildung von Preisen auf dem Weinmarkt"


 

 

Teilprojekte


 

Ein ökonomisches Preismodell für Wein

Aus verschiedenen Datenquellen (DLG Weinguide 2007, Gault Millau WeinGuide Deutschland 2006) wurden Informationen für etwa 2.500 Weine gesammelt. Auf dieser Grundlage kann ein in den Wirtschaftswissenschaften übliches, sogenanntes hedonisches Preismodell gebildet werden, das die Preise für Weine als Funktion ihrer verschiedenen Merkmale – ihrer „inneren“ und „äußeren“ Werte – darstellt. Damit lässt sich feststellen, ob beispielsweise Rotweine teurer sind als Weißweine, ein Wein aus Rheinhessen kostengünstiger als einer aus dem Rheingau oder eine Auslese im Durchschnitt mehr kostet als ein Kabinett (alle drei Vergleiche stimmen übrigens).
 

Die Produktion von Bedeutungen

Aus Selbstdarstellungen von Winzern, Weingütern, Weingenossenschaften und Großkellereien lassen sich Rückschlüsse auf die zentralen Bedeutungen ziehen, die dem Wein von diesen Akteuren auf dem Weinmarkt zugeschrieben werden. Dies wird durch die Auswertung der Presseberichterstattung über diese Weinproduzenten ergänzt. Auffallend ist, dass in Zeitungen und Zeitschriften, aber auch im Fernsehen, zunehmend über Wein, Winzer und Weinregionen berichtet wird. Im Teilprojekt wird untersucht, welche Aspekte eigentlich im Zentrum dieser Berichterstattung, aber auch der Selbstdarstellung der Winzer, stehen. Ist es die handwerkliche Herstellung von Wein, oder die besondere Pflege, die den Trauben im Weinberg zugedacht wird oder eher die spezifische Qualität von Boden und Klima in einer bestimmten Lage?
 

Die politische Regulation im Weinmarkt

Der Weinmarkt wird auf unterschiedlichen Ebenen politisch gesteuert und reguliert: von den Bundesländern über die Bundesrepublik Deutschland bis hin zur Europäischen Union und den Verhandlungen im Rahmen des Welthandelssystems. Diese Regulierungen steuern die Handlungsmöglichkeiten der Winzer und bestimmen sogar, wie in einem Weinmarkt Qualität gekennzeichnet wird. Dies wird augenscheinlich, wenn man das deutsche System der Qualitätsstufen mit dem französischen System der Herkunftsbezeichnungen (Appellation d'Origine Contrôlée, AOC) oder der Klassifikation von Weingütern im französischen Bordeaux oder Burgund vergleicht. Die Klassifikation einer Region, die Kriterien für die Möglichkeit der Vermarktung eines Weines als Qualitätswein und die Vergabe von Weinmedaillen sind politisch-rechtlich regulierte Signale für Qualität, die die Verteilung von Marktchancen wesentlich mitbestimmen. Die unterschiedlichen Interessen von Produzenten, Verbänden und staatlichen Regulierungsinstanzen machen die Ordnung des Weinmarktes zugleich zu einem politisch umkämpften Feld. Im Teilprojekt wird die politische Regulation des Weinmarktes seit der Gründung der Bundesrepublik betrachtet, um so institutionelle Veränderungen auch im Zusammenspiel mit soziokulturellen Wandlungsprozessen erklären zu können. Methodisch basiert das Projekt auf qualitativen Interviews und der Auswertung verschiedener Quellen- und Archivmaterialien.
 

Weinkonsum in Deutschland

Hier stehen die Weinkonsumenten im Zentrum der Analyse. Mit Hilfe einer schriftlichen Umfrage in vier deutschen Städten (Wiesbaden, Mainz, Köln, Hamburg) soll erhoben werden, welche Gewohnheiten die Konsumenten hinsichtlich ihres Weinkonsums haben. Um zu untersuchen, welche Vorlieben die Befragten haben, wird zunächst erhoben, wo und wie häufig sie Wein kaufen, ob sie Wein trinken und zu welchen Gelegenheiten sie dies tun. Außerdem ist zu analysieren, wie die Konsumenten die unterschiedlichen Merkmale von Wein wahrnehmen, wie diese Merkmale in die Kaufentscheidung eingehen und welche Quellen die Befragten nutzen, um sich über Wein zu informieren. Zudem wird untersucht, welche Rolle die sozialen Kontexte der Befragten bei der Qualitätsbeurteilung des Weines und der Kaufentscheidung spielen. Um soziologisch zu analysieren, welche Merkmale und Aspekte der Lebensgestaltung relevant für den Weinkonsum sind, fließen auch soziale Merkmale wie die Freizeitgestaltung, Bildung und soziale Herkunft in die Untersuchung ein. Die empirische Untersuchung dieser Fragen ermöglicht eine soziologische Einschätzung der Funktionsweise von Konsumentscheidungen in heutigen Gesellschaften. Sie knüpft an die jahrzehntelange Tradition der Soziologie in der Sozialstrukturanalyse und der Lebensstilforschung an, die immer auch die Analyse von Konsum eingeschlossen hat. Damit kann auch die Wirtschaftssoziologie dieses soziologische Potenzial im Hinblick auf ein Thema einbinden, das sie bisher relativ stark vernachlässigt hat. Für eine brauchbare empirische Studie ist es notwendig, dass genügend zuverlässige Daten von Personen erhoben werden, die Wein kaufen und trinken, aber auch von Personen, die nie Wein kaufen und trinken.
 
Hinweis zu Umfrage und Datenschutz: Die Umfragedaten werden selbstverständlich anonymisiert. Während des gesamten Ablaufs der Befragung werden Adressdaten und im Fragebogen erhobene Daten streng voneinander getrennt und an separaten Orten aufbewahrt. Die Adressdaten werden nach dem Ende der Befragung vernichtet.


MPIfG: Weinmarkt in Deutschland | http://www.mpifg.de/projects/weinmarkt/teilprojekte_de.asp [Zuletzt geändert 25.03.2014 18:31]