Institution Building across Borders


 

Überblick
 

Trajectories of Transnational Governance

Sigrid Quack


This project starts from the assumption that the transnational sphere is fertile ground for studying how institutions emerge and evolve in the face of strategic uncertainty, polyarchy, and a multiplicity of actors with different goals. Given such common conditions, why do transnational governance fields display highly differentiated trajectories in terms of their organizational forms and relational actor configurations? Why are there such varying degrees of democratic participation, public accountability, and institutional effectiveness? The project aims to develop a theoretical framework that focuses on the initial design, contestation, and responsiveness of governance organizations as well as on their relation to other actors within a specific field of rule-making. This conceptual work builds on a comparison of longitudinal studies on four fields, chosen to provide maximum variance in political salience and technical complexity: accounting standards, copyright rules, forest certification, and labor standards. The aim is to develop a theoretical typology of trajectories which are located on a continuum from monopolistic to pluralistic participation in governance.
Projektdauer: April 2012 bis März 2013.
 
Quack, Sigrid (2012): Regime complexity and expertise in transnational governance: Strategizing on regulatory uncertainty. Paper presented at the Onati Workshop on Law, Contestation, and Power in the Global Political Economy 7-8 June 2012.
 
Malets, Olga and Sigrid Quack (2012): Projecting the Local into the Global: Trajectories of Participation in Transnational Standard-Setting. Available on SSRN. Forthcoming in: Gili Drori, Markus Höllerer and Peter Walgenbach (eds.): Organizations and Managerial Ideas: Global Themes and Local Variations. London: Routledge.

 

Streit um das Urheberrecht: Neue transnationale Akteure und Standards gegen etablierte zwischenstaatliche Regulierungsregime

Sigrid Quack und Leonhard Dobusch (Freie Universität Berlin)


Im Zuge der wachsenden ökonomischen Bedeutung von Wissen und technologischer Veränderungen durch das Internet ist die Regulierung von Schutz- und Nutzungsrechten von nichtstofflichen Gütern vermehrt zum Gegenstand transnationaler Auseinandersetzungen geworden. In jüngster Vergangenheit formierten sich transnationale Gegenbewegungen nichtstaatlicher Akteure (zum Beispiel NGOs), die den offenen Zugang zu Inhalten im Internet und großzügigere Nutzungsrechte propagieren. Sie kritisieren einseitig restriktive urheberrechtliche Bestimmungen, die den Charakter von Wissensgütern als Gemeinschaftsgüter vernachlässigen und beklagen das ungenutzte Potenzial neuer Informations- und Kommunikationstechnologien für die Erstellung und Distribution digitalisierbarer Güter. Aus der Perspektive transnationaler Institutionenbildung stellt sich dabei die Frage, ob und wie sich private Regulierungsformen neben oder sogar anstelle etablierter Regulierung durchsetzen können und welche Formen transnationaler Organisation dabei eine Rolle spielen. Diese Fragen sollen anhand einer Untersuchung des Projektes "Creative Commons" beantwortet werden, dessen Kern ein vielfältiges, international standardisiertes Angebot an alternativen Urheberrechtslizenzen darstellt. Ein weiteres Ziel der Studie ist es herauszufinden, ob, wie und mit welchem Ergebnis soziale Bewegungen und zivilgesellschaftliche Akteure Forderungen nach einer Modernisierung von Schutz- und Nutzungsrechten in europäischen und internationalen Verhandlungen über die Regulierung von Urheberrechten einbringen.
Projektdauer: März 2007 bis Dezember 2013.
 
Dobusch, Leonhard und Sigrid Quack (2011): Interorganisationale Netzwerke und digitale Gemeinschaften: Von Beiträgen zu Beteiligung? In: Managementforschung, 21: 171-213.
 
Dobusch, Leonhard und Sigrid Quack (2012): Framing Standards, Mobilizing Users: Copyright versus Fair Use in Transnational Regulation. In: Review of International Political Economy, iFirst, 1-37.

 

Transnationale Politik professioneller Expertise: Konvergenz Internationaler Rechnungslegungsstandards?

Sigrid Quack und Paul Lagneau-Ymonet (IRISSO, Université Paris-Dauphine)


Die Bewertung ökonomischer Leistung hat in den letzten Jahren an gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Bedeutung gewonnen. Zugleich hat aber auch eine Politisierung der in Bewertungsprozesse einfließenden Expertise stattgefunden, vor allem in der transnationalen Governance und Politikgestaltung, die häufig auf Expertenwissen beruht. Dieses Projekt untersucht politische Auseinandersetzungen um und über Expertenwissen in der Regulierung internationaler Rechnungsstandards. Dieses Standards sind wichtig für die Beurteilung von Unternehmen in globalen Märkten; sie bilden auch eine wichtige Basis für die Beaufsichtigung und Regulierung von Finanzmärkten. Die Finanzkrise hat eine Debatte über die Konvergenz der beiden international führenden Standards angestoßen: die US-amerikanischen GAAP und ihr transnationales Pendant, IFRS. In den letzten zehn Jahren verlief die Annäherung zwischen den beiden Standards langsam und war nicht nur von politischen Interessenkonflikten zwischen den USA, der EU und den BRIC Staaten gekennzeichnet, sondern wurde auch durch kontroverse Fachmeinungen von Wirtschaftsprüfern, Börsenvertreten und Aufsichtsbehörden erschwert. Wie können Rechnungslegungsstandards reformiert werden, um Markttransparenz und effektive Regulierung zu verbinden? Wie kann die Kooperation zwischen Standardsetzern und Aufsichtsbehörden verbessert werden? In welcher Form sollen Standardsetzer Rechenschaft gegenüber der breiteren Öffentlichkeit ablegen? Das Forschungsprojekt untersucht diese Fragen auf Basis von Experteninterviews mit Schlüsselakteuren und einer Dokumentenanalyse für den US-amerikanischen und europäischen Bankensektor, sowie einer Analyse von nationalen, europäischen und internationalen Reformvorschlägen. Erforscht wird, wie Diskussionen und Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Gruppen von Fachleuten mit unterschiedlichen Auffassungen über Rechnungslegung den Verlauf internationaler Reformen beeinflussen.
Proktdauer: Oktober 2012 bis Dezember 2014.
 
Botzem, Sebastian und Sigrid Quack (2009): (No) Limits to Anglo-American Accounting? Reconstructing the History of the International Accounting Standards Committee: A Review Article. In: Accounting, Organizations and Society, 34(8): 988-998.
 
Lagneau-Ymonet, Paul und Sigrid Quack (2012): What's the Problem? Competing Diagnoses and Shifting Coalitions in the Reform of International Accounting Standards. In: Renate Mayntz (Hrsg.): Crisis and Control. Institutional Change in Financial Market Regulation. Frankfurt/Main: Campus, 213-246.

 

Global-Local Interaction in Cross-Border Governance

Sigrid Quack and Olga Malets (Technische Universität München)


Transnational institutional development, by definition, involves interaction between a diverse range of actors who are situated in local as well as global fields of action. This project addresses how different types of global–local interaction, such as trickle-down and trickle-up effects or recursive feedback, shape governance trajectories. The aim is to develop a theoretical framework to synthesize results from the research groups’ longitudinal and multi-level analyses in different governance fields. These fields include: accounting standards, copyright and patent regulation, forest certification, conservation rules, labor standards, and microfinance. Empirical studies of these fields are to be published in an edited volume.
Projektdauer: April 2012 bis März 2014.
 
Malets, Olga (2011): From Transnational Voluntary Standards to Local Practices: A Case Study of Forest Certification in Russia. MPIfG Discussion Paper 11/7.
 
Malets, Olga and Sigrid Quack (2012): Projecting the Local into the Global: Trajectories of Participation in Transnational Standard-Setting. Available on SSRN. Forthcoming in: Gili Drori, Markus Höllerer and Peter Walgenbach(eds.): Organizations and Managerial Ideas: Global Themes and Local Variations. London: Routledge.

 

Eliten auf Probe? Das Design von Institutionen, Industrien und Organisationen

Sigrid Quack mit Glenn Morgan (Cardiff Business School) und Paul Hirsch (Northwestern University)


Im Zuge der internationalen Finanz- und der europäischen Staatschuldenkrise wird die Machtposition wirtschaftlicher und politischer Eliten zunehmend kritisch hinterfragt. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieses Projekt kritisch mit C. Wright Mills Arbeiten zur Machtelite auseinander. Mills sah die USA in den 1950er Jahre regiert von elitären Zirkeln, die Machtpositionen in großen bürokratischen Organisationen im Machtdreieck von Wirtschaft, Militär und Politik einnahmen. Globalisierung, Liberalisierungspolitiken und Finanzialisierung haben jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten zur Schwächung von Elitenetzwerken zwischen den großen Unternehmen geführt. Dies wirft eine Reihe von Fragen zum Verhältnis von Eliten und Institutionenbildung auf. Was bedeutet es für Machteliten, wenn vorwiegend nationale Unternehmensbürokratien durch globale Netzwerke und Marktbeziehungen ersetzt werden? In wieweit formieren und reproduzieren sich Eliten nach wie vor im Kontext nationalstaatlich verfasster Gesellschaften und in welchem Umfang kommt es zur Herausbildung einer globalen Elite? Auf welche Weise prägen Eliten das Design und die Entwicklung nationaler und internationaler Institutionen und Organisationen, und in wieweit werden diese strategisch zur Beeinflussung von Industrien benutzt? Schließlich, welche organisatorischen Ressourcen nutzen Eliten um ihre Machtposition aufrechtzuerhalten und sie angesichts von Krisen, Kritik und Widerstand anderer gesellschaftlicher Gruppen zu verteidigen? Welche organisatorischen Ressourcen können ihre Kritiker mobilisieren? Diese Fragen wurden im Rahmen eines Sub-themes auf dem EGOS Kolloquium im Juli 2012 in Helsinki von einer Gruppe von 20 Wissenschaftlern aus den USA, Europa, Israel und Asien behandelt. Derzeit wird die Veröffentlichung einer Auswahl dieser Beiträge in einem Sammelband in der Reihe „Sociology of Organizations” vorbereitet.
Projektdauer: Juli 2012 bis Dezember 2013.

 

Mikrofinanz und Finanzialisierung: Narrative, Gouvernementalität, Akkumulation

Philip Mader


Die Finanzialisierung des Kapitalismus ist eine transnationale soziale Tatsache, die sich in Gesellschaften über den Globus verteilt bemerkbar macht. Den subtileren Prozessen dieses Phänomens, wie der Verbreitung der Mikrofinanzierung, wurde jedoch bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die Mikrofinanzierung haben sich die Finanzmärkte bis in die Slums und Dörfer des „globalen Südens“ ausgeweitet und diese in transnationale Kapitalkreisläufe integriert. Das System der Mikrofinanzierung versteht soziale Probleme als Probleme der Finanz, während das Versprechen einer stärkeren Selbstbestimmung („empowerment“) nur durch Schulden dieser Ausweitung der Finanzmärkte eine moralische Dringlichkeit verleiht. Dies wiederum belegt die Bedeutung mobilisierender Narrative in der Finanzialisierung. Die in Finanzmarktverhältnissen produzierte Gouvernementalität wird mithilfe der durch die Kreditbeziehungen entstehenden Disziplinierung und Mehrwertakkumulation sichtbar. Ziel des Projekts ist, die sozialwissenschaftliche Analyse von Geld, Kredit und Schulden durch eine Untersuchung der Funktionsweise von Finanzmärkten im modernen Kapitalismus unter Einbeziehung der Logik und Techniken der Mikrofinanzierung zu ergänzen. Die Studie wendet Theorien aus der politischen Ökonomie und der Wirtschaftssoziologie auf Fallstudien im Rahmen der Ausweitung und Grenzen der Mikrofinanzierung an. 
Proktdauer: Juni 2012 bis September 2013.

 

The Transnational Governance of Land Grabbing

Matias E. Margulis (University of Northern British Columbia)


This project examines a new and poorly understood field of transnational governance, land. Since the 2008 global food price crisis, investors and governments have acquired over 60 million hectares of agricultural land worldwide to outsource the production of biofuels, animal feed, and food. This scale of land acquisition has not been seen since the era of colonialism and critics have referred to this phenomenon as a “global land grab.” Several controversial land deals, and the growing awareness of the socio-ecological consequences of land grabs more generally, has prompted states, investors, international organizations, global civil society organizations, and transnational social movements to cooperate in creating global rules to regulate land grabbing. Given that land is conventionally understood through the legal framework of national sovereignty, what types of rule-systems, discourse, and forms of political power are these actors using to construct land grabbing as a transnational governance issue? The project’s empirical focus is on two recent transnational governance mechanisms that feature the bundling of multiple public and private rules rooted in diverse issue areas.
Projektdauer: Oktober 2012 to Juli 2013.
 
Margulis, Matias E. (2012): Land grabbing and global governance: Some initial observations. Paper presented at Global Land Grabbing II conference. Cornell University. Ithaca, NY, USA.
 
Margulis, Matias E., Nora McKeon, Saturnino M. Borras Jr. (Hrsg.)(forthcoming): Land Grabbing and Global Governance. London: Routledge. [Veröffentlichung erwartet im Juli 2013]

 

Politics and Economies of Scale: Experiments in Global Governance at the League of Nations

Carolyn N. Biltoft (Georgia State University)


The League of Nations was not merely a failed outgrowth of European international relations, but rather a novel global institutional form. This project shows how the League’s experimental efforts to coordinate the world’s political and economic life emerged within and effected significant transformations in the international system between 1919 and 1945. The project is predicated on the idea that globalization has continually reorganized the relationship between politics and the economy both within and between nations. International organizations provide not only a centralized archival record but also an additional vantage point from which to examine these processes. To those ends, the project draws from the methods of global history, organization theory and international political economy to better grasp how international organizations in general and the League of Nations in particular, have affected the nature and course of the global political economy. The project moves through a series of themes — from bureaucratic practices and financial structures to economic sanctions and raw materials — and connects the League’s policies on each issue to changes in relevant political and economic theories. 
Project duration: October 2012 to September 2013.
 

 



MPIfG: Research Group Institution Building across Borders | http://www.mpifg.de/projects/govxborders/research_projects_ongoing_de.asp [Last updated 1/7/2013 13:05]