Institution Building across Borders


 

Überblick
 

  • Trajektorien transnationaler Governance (Quack)
  • Global-lokale Interaktionen in grenzüberschreitender Governance (Quack/Malets)
  • Eliten auf Probe? Das Design von Institutionen, Industrien und Organisationen (Quack/Morgan/Hirsch)
  • Mikrofinanz und Finanzialisierung: Narrative, Gouvernementalität, Akkumulation (Mader)

     

    Trajektorien transnationaler Governance

    Sigrid Quack


    Wie bilden sich Institutionen unter Rahmenbedingungen von strategischer Unsicherheit, Polyarchie und einer Vielfalt von Akteuren mit unterschiedlichen Zielen heraus und wie entwickeln sie sich? Warum weisen transnationale Governancefelder unter diesen weitverbreiteten Bedingungen dennoch sehr unterschiedliche Trajektorien im Hinblick auf Organisationsformen und Akteursrelationen auf? Weshalb werden demokratische Teilhabe, öffentliche Rechenschaftspflicht und institutionelle Effektivität in so unterschiedlichem Maße verwirklicht? In dem Projekt soll ein theoretischer Analyserahmen entwickelt werden, welcher das ursprüngliche Design, soziale Konflikte und die Reaktionsfreudigkeit von Governanceorganisationen ebenso wie ihr Verhältnis zu anderen Akteuren im jeweiligen Problemfeld im Zeitverlauf berücksichtigt. Die konzeptionelle Arbeit baut auf vergleichenden Längsschnittstudien auf, welche von Mitgliedern der Forschungsgruppe in vier Governancefeldern durchgeführt wurden, die sich im Hinblick auf politische Wichtigkeit und technische Komplexität unterscheiden: Rechnungslegungsstandards , Urheberrechtsregeln, Waldzertifizierung und Arbeitsstandards. Es soll eine theoretische Typologie von Trajektorien entwickelt werden, die auf einem Kontinuum zwischen monopolistischer und pluralistischer Governance angesiedelt sind.
    Projektdauer: April 2012 bis Dezember 2015.
     
    Quack, Sigrid (2013): Regime Complexity and Expertise in Transnational Governance: Strategizing in the Face of Regulatory Uncertainty. In: Oñati Socio-Legal Series 3(4): 647-678.
     
    Dobusch, Leonhard/Philip Mader/Sigrid Quack, eds. (2013): Governance across Borders: Transnational Fields and Transversal Themes. Berlin: Epubli.

     

    Global-lokale Interaktionen in grenzüberschreitender Governance

    Sigrid Quack und Olga Malets (Technische Universität München)


    Transnationale Institutionenentwicklung beinhaltet per Definition Interaktionen zwischen vielfältigen Akteuren, die in lokalen und globalen Handlungsfeldern situiert sind. Das Projekt untersucht, wie verschiedene Formen von Wechselwirkungen zwischen globaler und lokaler Ebene, wie etwa Trickle-Down-, Trickle-Up- oder Rückkopplungseffekte, Trajektorien transnationaler Governance beeinflussen. Es soll ein theoretischer Analyserahmen für die Synthese von Forschungsergebnissen der Forschungsgruppe, die auf Längsschnitt- und Mehrebenenanalysen in verschiedenen Governancefeldern basieren, erarbeitet werden. Zu diesen Feldern zählen Rechnungslegungsstandards, urheber- und patentrechtliche Regulierung, Waldzertifizierung, Naturschutzbestimmungen, Arbeitsstandards und Mikrofinanz. Es ist geplant, einen Herausgeberband mit empirischen Beiträgen, welche die global-lokalen Interaktionen in diesen Feldern untersuchen, zu veröffentlichen.
    Projektdauer: April 2012 bis Juli 2014.
     
    Malets, Olga, 2011: From Transnational Voluntary Standards to Local Practices: A Case Study of Forest Certification in Russia. MPIfG Discussion Paper 11/7. Cologne: Max Planck Institute for the Study of Societies.
     
    Malets, Olga/ Sigrid Quack, 2013: Projecting the Local into the Global: Trajectories of Participation in Transnational Standard-setting. In: Gili Drori, Markus Höllerer, Markus and Peter Walgenbach (eds.): Global Themes and Local Variations in Organization and Management. Perspectives on Glocalization. London: Routledge, 325-338.
    Available on SSRN
     
    Malets, Olga, 2013: The Translation of Transnational Voluntary Standards into Practices: Civil Society and the Forest Stewardship Council in Russia. In: Journal of Civil Society, 9(3): 300-324.

     

    Eliten auf Probe? Das Design von Institutionen, Industrien und Organisationen

    Sigrid Quack mit Glenn Morgan (Cardiff Business School) und Paul Hirsch (Northwestern University)


    Im Zuge der internationalen Finanz- und der europäischen Staatschuldenkrise wird die Machtposition wirtschaftlicher und politischer Eliten zunehmend kritisch hinterfragt. Vor diesem Hintergrund setzt sich dieses Projekt kritisch mit C. Wright Mills Arbeiten zur Machtelite auseinander. Mills sah die USA in den 1950er Jahre regiert von elitären Zirkeln, die Machtpositionen in großen bürokratischen Organisationen im Machtdreieck von Wirtschaft, Militär und Politik einnahmen. Globalisierung, Liberalisierungspolitiken und Finanzialisierung haben jedoch in den letzten zwei Jahrzehnten zur Schwächung von Elitenetzwerken zwischen den großen Unternehmen geführt. Dies wirft eine Reihe von Fragen zum Verhältnis von Eliten und Institutionenbildung auf. Was bedeutet es für Machteliten, wenn vorwiegend nationale Unternehmensbürokratien durch globale Netzwerke und Marktbeziehungen ersetzt werden? In wieweit formieren und reproduzieren sich Eliten nach wie vor im Kontext nationalstaatlich verfasster Gesellschaften und in welchem Umfang kommt es zur Herausbildung einer globalen Elite? Auf welche Weise prägen Eliten das Design und die Entwicklung nationaler und internationaler Institutionen und Organisationen, und in wieweit werden diese strategisch zur Beeinflussung von Industrien benutzt? Schließlich, welche organisatorischen Ressourcen nutzen Eliten um ihre Machtposition aufrechtzuerhalten und sie angesichts von Krisen, Kritik und Widerstand anderer gesellschaftlicher Gruppen zu verteidigen? Welche organisatorischen Ressourcen können ihre Kritiker mobilisieren? Diese Fragen wurden im Rahmen eines Sub-themes auf dem EGOS Kolloquium im Juli 2012 in Helsinki von einer Gruppe von 20 Wissenschaftlern aus den USA, Europa, Israel und Asien behandelt. Derzeit wird die Veröffentlichung einer Auswahl dieser Beiträge in einem Sammelband in der Reihe „Sociology of Organizations” vorbereitet.
    Projektdauer: Juli 2012 bis Februar 2015.

     

    Mikrofinanz und Finanzialisierung: Narrative, Gouvernementalität, Akkumulation

    Philip Mader


    Die Finanzialisierung des Kapitalismus ist eine transnationale soziale Tatsache, die sich in Gesellschaften über den Globus verteilt bemerkbar macht. Den subtileren Prozessen dieses Phänomens, wie der Verbreitung der Mikrofinanzierung, wurde jedoch bisher wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Durch die Mikrofinanzierung haben sich die Finanzmärkte bis in die Slums und Dörfer des "globalen Südens" ausgeweitet und diese in transnationale Kapitalkreisläufe integriert. Das System der Mikrofinanzierung versteht soziale Probleme als Probleme der Finanz, während das Versprechen einer stärkeren Selbstbestimmung ("empowerment") nur durch Schulden dieser Ausweitung der Finanzmärkte eine moralische Dringlichkeit verleiht. Dies wiederum belegt die Bedeutung mobilisierender Narrative in der Finanzialisierung. Die in Finanzmarktverhältnissen produzierte Gouvernementalität wird mithilfe der durch die Kreditbeziehungen entstehenden Disziplinierung und Mehrwertakkumulation sichtbar. Ziel des Projekts ist, die sozialwissenschaftliche Analyse von Geld, Kredit und Schulden durch eine Untersuchung der Funktionsweise von Finanzmärkten im modernen Kapitalismus unter Einbeziehung der Logik und Techniken der Mikrofinanzierung zu ergänzen. Die Studie wendet Theorien aus der politischen Ökonomie und der Wirtschaftssoziologie auf Fallstudien im Rahmen der Ausweitung und Grenzen der Mikrofinanzierung an.
    Projektdauer: Juni 2012 bis März 2014.
     
    Klas, Gerhard/Philip Mader: Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik. Frankfurt: Campus (erscheint 2014).
     

     



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