Grenzüberschreitende Institutionenbildung
Transnationale Politiken professioneller Expertise: Die Entwicklung der International Financial Reporting Standards
Sigrid Quack und Paul Lagneau-Ymonet, IRISES, Université Paris-Dauphine
In diesem Projekt wird untersucht, welche Rolle Regierungen, die rechnungslegenden Berufe, große Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sowie multinationale Unternehmen bei der Formulierung und Weiterentwicklung der International Financial Reporting Standards (IFRS) für Konzernunternehmen spielen. Das International Accounting Standards Committee, eine privatrechtliche internationale Organisation (die 2001 in das International Accounting Standards Board umgewandelt wurde), definiert und verbreitet seit 1973 sukzessive die IFRS. Der Statuts der IFRS änderte sich im Jahr 2005, als sie in EU-Recht übernommen und somit zu verbindlich geltenden Regeln wurden. Die erste Phase des Forschungsprojekts hat gezeigt, dass es im Bereich der internationalen Rechnungslegung eine langjährige Tradition grenzüberschreitender professioneller und technischer Standardsetzung gibt. Schlüsselfaktoren für die Einflussnahme hierauf sind professionelle und technische Fachkenntnis. Darüber hinaus wurde deutlich, dass ein Ausgleich divergierender Interessen oft hinter verschlossenen Türen stattfindet. Als nächster Schritt ist eine qualitative Längsschnittanalyse des Inhalts von Dokumenten geplant. Hiermit soll untersucht werden, ob und wie sich durch die grenzüberschreitenden Aktivitäten der Vertreter rechnungslegender Berufe in den Gremien zur internationalen Standardsetzung allmählich eine transnationale Gemeinschaft von Experten gebildet hat. Projektdauer: Oktober 2007 bis August 2010.
Literatur:
Sebastian Botzem und Sigrid Quack (2009): (No) Limits to Anglo-American
accounting? Reconstructing the history of the International Accounting Standards
Committee: A review article. In: Accounting, Organizations and Society,
34(8), 988-998.
Abstract
Sebastian Botzem, Sigrid Quack und Maria Konrad (2007): Unternehmensbilanzierung und Corporate Governance – Die Bedeutung internationaler Rechnungslegungsstandards für die Unternehmenssteuerung in Deutschland. In: Ulrich Jürgens, Dieter Sadowski, Folke Gunnar Schuppert und Manfred Weiß, Dieter Sadowski (Hrsg.): Perspektiven der Corporate Governance. Baden-Baden: Nomos, 358-384.
Sebastian Botzem und Sigrid Quack (2006): Contested Rules and Shifting Boundaries: International
Standard Setting in Accounting. In: Marie-Laure Djelic
und Kerstin Sahlin-Andersson (Hrsg.): Transnational Governance. Institutional
Dynamics of Regulation. Cambridge: Cambridge University Press, 266-286.
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