Institution Building across Borders


 

Überblick
 

Die Rolle von Institutionen bei Gebietsstreitigkeiten in Südamerika

Ana Carolina Alfinito Vieira (IMPRS-SPCE)


Over the past decade or so, a significant body of scholarship in the social sciences has turned to investigating territorial dispossession, large-scale transnational acquisition of land, and new forms of property rights over land and nature. While this literature revives classical debates on property rights, social justice, and development, it also opens up promising paths for investigating new aspects in contemporary configurations of land tenure, the dynamics of commodification of natural resources, and struggles over land. This doctoral project contributes to these debates and investigates how an existing institutional system associated with land tenure is being actively drawn on, interpreted, and mobilized in the course of contemporary struggles over land appropriation in South America, and more specifically in Brazil. The study seeks to understand and explain the processes through which actors involved in land disputes mobilize around multi-level institutional repertoires pertaining to land, how they have learned and developed their strategies of mobilization, and how different forms of mobilization impact patterns of land use within disputed territories. It addresses these questions by conducting a multi-level longitudinal analysis of cases of struggles over land in Brazil.
Projektdauer: Oktober 2012 bis Dezember 2015.

 

Brüder und Schwestern regulieren: Umweltprogramme in katholischen Ordensgemeinschaften

Jiska Gojowczyk (IMPRS-SPCE)


Menschen wenden vielfältige Kriterien an, um Handlungen zu bewerten, z.B.: Ist die Handlung gerecht? Ist sie zielführend? Ist sie gewinnbringend? Diese Bewertungen haben eine große Bedeutung für die Gestaltung und Koordination sozialen Zusammenlebens. Religiöse Gemeinschaften messen Wert hauptsächlich auf der Grundlage ihrer religiösen Lehre, aber auch basierend auf anderen Werteordnungen und Rechtfertigungen bei. Weltweit beginnen sie, ökologische Verpflichtungen als Teil ihrer religiösen Traditionen wahrzunehmen. So werden in den Gemeinschaften zunehmend Umweltprogramme formuliert und auf lokaler Ebene eingeführt. Mit dem Charakter von internen Audits, von Best-Practice-Datenbanken oder losen Leitfäden können sie als interne Versuche grenzüberschreitender, weicher Regulierung betrachtet werden. Dieses Projekt untersucht, wie Mitglieder katholischer Orden auf der Grundlage von solchen Programmen ihr alltägliches Tun evaluieren. Wie werden Kategorien, Rechtfertigungen und Beziehungen zwischen unterschiedlichen sozialen Handlungen und Gruppen gebildet und ausgehandelt? In ethnographischen Studien wird der Frage über den Zeitraum von 2000 bis 2014 nachgegangen. Grundlage für ein tiefes Verständnis bilden Dokumentenanalyse, Interviews, teilnehmende Beobachtung und Gesprächsrunden in Fokusgruppen.
Projektdauer: Oktober 2012 bis Dezember 2015.

 

Success and Failure of Transnational Certification Schemes

Jan-Christoph Janssen (Cologne Graduate School)


Bei der Beurteilung von Unternehmen durch externe Bezugsgruppen nimmt deren gesellschaftliche Verantwortung bezüglich Umwelt und Arbeitsbedingungen einen bedeutenden Stellenwert ein. Die Beglaubigung der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung obliegt zunehmend unternehmensexternen Zertifizierungsorganen. Im Falle des fairen Handels entspringt dieses Zertifizierungsorgan unterschiedlichen sozialen Bewegungen mit dem gemeinsamen Ziel die Praxis des transnationalen Handels zu Gunsten südlicher Produzentengruppen zu transformieren. Während einige Bestandteile dieses regulativen Rahmens kompatibel zu bisherigen Strategien einiger Unternehmen sind, stehen andere im expliziten Widerspruch zu etablierter Unternehmenspraxis. So treffen sowohl innerhalb nationaler Kontexte als auch zwischen ihnen konkurrierende Interessen und Vorstellungen bezüglich der geeigneten Mittel zur Stärkung der Position südlicher Produzenten im transnationalen Handel aufeinander. Seit der Gründung internationaler Dachorganisationen zur Harmonisierung der Bemühungen nationaler Lizenzgeber spielen „Top Down“ Prozesse auch zur Lösung dieser Konflikte eine zunehmende Rolle.
Der faire Handel wird von vielen als Erfolgsgeschichte betrachtet, wobei dieser „Erfolg“ zwischen unterschiedlichen Produktkategorien und nationalen Märkten variiert. So verließ Fair Trade USA den gemeinsamen regulativen Rahmen von FLO, da sie dessen regulativen Rahmen als Hindernis betrachteten, um den „Erfolg“ des fairen Handels auch weiterhin zu steigern. Hierbei stellt sich die Frage nach den Bedingungen für mehr oder weniger erfolgreiche Durchdringung der Produktmärkte durch ethische Standards. Dieses Projekt versucht mithilfe von „Qualitative Comparative Analysis“ Pfade zu erfolgreicher oder weniger erfolgreichen Marktdurchdringung ethischer Standards am Beispiel des fairen Handels zu identifizieren.
Projektdauer: Oktober 2011 bis September 2014.

 

Patente und Professionen: Die transnationale Regelung technischen Wissens

Markus Lang (IMPRS-SPCE)


Bereits seit dem späten neunzehnten Jahrhundert beteiligen sich professionalisierte Berufsgruppen an der Entwicklung transnationaler Patentsysteme. Die Tätigkeit von Patentanwälten, Patentagenten und Informationsspezialisten ist hierdurch enger mit der ihrer Kollegen in anderen Ländern verbunden, als dies im Fall anderer Berufe zu beobachten ist. Dennoch ist kaum etwas über die Bedeutung dieser Gruppen im Management von Patentpositionen bekannt, die sich angesichts zunehmender Schutzmöglichkeiten und geographischer Ausdehnung des Patentsystems drastisch angehäuft haben. Wie ist es einer wachsenden Zahl an Mitgliedern dieser Professionen gelungen, sich Zuständigkeit für patentbezogene Tätigkeiten zu sichern? Wann und warum begannen diese Gruppen Patentinformationen als Voraussetzung von Technologietransfers zu sehen? Was sind die Konsequenzen professioneller Strategien für die Wahrscheinlichkeit von Patentstreitigkeiten? Dieses Projekt setzt sich mit diesen Fragen auf Grundlage einer Professionstheorie auseinander, die Prozesse der sozialen Abgrenzungsarbeit und des Austausches betont, die weder auf nationale Grenzen noch auf Statusordnungen in Märkten beschränkt sind. In empirischer Hinsicht greift das Projekt auf eingebettete Fallstudien professioneller Trajektorien in den Vereinigten Staaten und Deutschland zurück. Die methodische Grundlage bilden hierbei Dokumentenanalysen, historische Quellenarbeit und quantitative Auswertungen von Patentdaten.
Projektdauer: Oktober 2011 bis Dezember 2014.

 

Die Einführung Internationaler Rechnungslegungsstandards in Afrika: Eine institutionelle Perspektive

Solomon Zori (IMPRS-SPCE)


Seit der Übernahme der Internationalen Rechnungslegungsstandards (IFRS) durch die Europäische Union im Jahre 2005 hat die Idee der Verbreitung von Richtlinien durch zwei unterschiedliche Mechanismen im Bereich der Internationalen Rechnungslegung allgemeine Aufmerksamkeit erlangt. Staaten, die aufgrund rational ökonomischer Überlegungen zu einer Übernahme der Richtlinien bereit sind, so die Argumentation von Theorien der rationalen Wahlhandlung, erhoffen sich dadurch wirtschaftliche Vorteile und eine Verbesserung der Informationsqualität. Aus institutionalistischer Sicht führt hingegen das Bestreben nationaler Standardsetzer und Regierungen, durch die Einführung von IFRS internationale Legitimität und Anerkennung zu erzielen, zur Verbreitung dieser Standards. Eine Vielzahl afrikanischer Länder hat bisher Empfehlungen internationaler Organisationen zum Trotz die Übernahme internationaler Rechnungslegungsstandards abgelehnt. Dieses Dissertationsprojekt untersucht die Logiken, die sich hinter der Verbreitung internationaler Rechnungslegungsstandards in Afrika verbergen, mit dem Ziel, eine institutionelle Erklärung zu entwickeln, die umfassender ist als eine Erklärung der rationalen Entscheidung. Unter Einbeziehung von Akteuren auf der transnationalen und lokalen Ebene sowie der Faktoren, die die Verbreitung der IFRS fördern oder bremsen, erforscht die Studie, weshalb viele afrikanische Länder bislang eine Übernahme dieser Standards ablehnen. Methodologisch kombiniert das Projekt eine qualitative vergleichende Analyse mit Fallstudien ausgewählter afrikanischer Länder.
Projektdauer: Oktober 2011 bis September 2014.

 



MPIfG: Research Group Institution Building across Borders | http://www.mpifg.de/projects/govxborders/phd_projects_ongoing_de.asp [Last updated 25.03.2014 17:16]