Institution Building across Borders
Überblick
Success and Failure of Transnational Certification Schemes
Jan-Christoph Janssen (Cologne Graduate School)
Bei der Beurteilung von Unternehmen durch externe Bezugsgruppen nimmt deren gesellschaftliche Verantwortung bezüglich Umwelt und Arbeitsbedingungen einen bedeutenden Stellenwert ein. Die Beglaubigung der Wahrnehmung gesellschaftlicher Verantwortung obliegt zunehmend unternehmensexternen Zertifizierungsorganen. Im Falle des fairen Handels entspringt dieses Zertifizierungsorgan unterschiedlichen sozialen Bewegungen mit dem gemeinsamen Ziel die Praxis des transnationalen Handels zu Gunsten südlicher Produzentengruppen zu transformieren. Während einige Bestandteile dieses regulativen Rahmens kompatibel zu bisherigen Strategien einiger Unternehmen sind, stehen andere im expliziten Widerspruch zu etablierter Unternehmenspraxis. So treffen sowohl innerhalb nationaler Kontexte als auch zwischen ihnen konkurrierende Interessen und Vorstellungen bezüglich der geeigneten Mittel zur Stärkung der Position südlicher Produzenten im transnationalen Handel aufeinander. Seit der Gründung internationaler Dachorganisationen zur Harmonisierung der Bemühungen nationaler Lizenzgeber spielen „Top Down“ Prozesse auch zur Lösung dieser Konflikte eine zunehmende Rolle.
Der faire Handel wird von vielen als Erfolgsgeschichte betrachtet, wobei dieser „Erfolg“ zwischen unterschiedlichen Produktkategorien und nationalen Märkten variiert. So verließ Fair Trade USA den gemeinsamen regulativen Rahmen von FLO, da sie dessen regulativen Rahmen als Hindernis betrachteten, um den „Erfolg“ des fairen Handels auch weiterhin zu steigern. Hierbei stellt sich die Frage nach den Bedingungen für mehr oder weniger erfolgreiche Durchdringung der Produktmärkte durch ethische Standards. Dieses Projekt versucht mithilfe von „Qualitative Comparative Analysis“ Pfade zu erfolgreicher oder weniger erfolgreichen Marktdurchdringung ethischer Standards am Beispiel des fairen Handels zu identifizieren.
Projektdauer: Oktober 2011 bis September 2014.
Patente und Professionen: Die transnationale Regelung technischen Wissens
Markus Lang (IMPRS-SPCE)
Bereits seit dem späten neunzehnten Jahrhundert beteiligen sich professionalisierte Berufsgruppen an der Entwicklung transnationaler Patentsysteme. Die Tätigkeit von Patentanwälten, Patentagenten und Informationsspezialisten ist hierdurch enger mit der ihrer Kollegen in anderen Ländern verbunden, als dies im Fall anderer Berufe zu beobachten ist. Dennoch ist kaum etwas über die Bedeutung dieser Gruppen im Management von Patentpositionen bekannt, die sich angesichts zunehmender Schutzmöglichkeiten und geographischer Ausdehnung des Patentsystems drastisch angehäuft haben. Wie ist es einer wachsenden Zahl an Mitgliedern dieser Professionen gelungen, sich Zuständigkeit für patentbezogene Tätigkeiten zu sichern? Wann und warum begannen diese Gruppen Patentinformationen als Voraussetzung von Technologietransfers zu sehen? Was sind die Konsequenzen professioneller Strategien für die Wahrscheinlichkeit von Patentstreitigkeiten? Dieses Projekt setzt sich mit diesen Fragen auf Grundlage einer Professionstheorie auseinander, die Prozesse der sozialen Abgrenzungsarbeit und des Austausches betont, die weder auf nationale Grenzen noch auf Statusordnungen in Märkten beschränkt sind. In empirischer Hinsicht greift das Projekt auf eingebettete Fallstudien professioneller Trajektorien in den Vereinigten Staaten und Deutschland zurück. Die methodische Grundlage bilden hierbei Dokumentenanalysen, historische Quellenarbeit und quantitative Auswertungen von Patentdaten.
Projektdauer: Oktober 2011 bis Dezember 2014.
The Adoption of IFRS in Africa. An Institutional Perspective
Solomon Zori (IMPRS-SPCE)
Many scholars have examined the diffusion of policies across borders, investigated how the diffusion process unfolds, why and how policies are embraced or rejected and which institutions and actors matter most for diffusion. Two schools of thoughts oppose each other at a crossroad: The one school sees policy diffusion anchored in a rational actor model; it is assumed that countries make rational choices when adopting policies from elsewhere. The other school argues that decisions about policy adoption are driven by institutional processes; it is believed that countries adopt policies out of a need to appear legitimate to their peers. Similar debates can be found in the context of the diffusion of international accounting standards to developing countries, and particularly to the African continent. Proponents of the diffusion of International Financial Reporting Standards (IFRSs) highlight economic benefits and improvement of information quality when explaining choices to adopt these standards. Yet, other countries seem to have adopted these standards following a rational of legitimacy contrary to the economic logic. Moreover, many African countries have so far not adopted IFRS despite of pressure from International Organizations to do so. The goal of this study is to better understand the logics behind the diffusion of international accounting standards in Africa with the aim to develop an institutional explanation which is more encompassing than a rational choice explanation. To this aim, the study firstly investigates why so many African countries resist adopting IFRSs despite of the economic rationale behind them. Secondly, the project explores which factors foster or limit the diffusion of IFRS on the African continent. Thirdly, the study aims to map the role of various actors, both at the transnational and local level, in the diffusion of these standards. The PhD project will look at factors such as presence of capital markets, level of economic growth, colonial history, aid dependency, activities of the accountancy profession and accountancy certification organizations. Methodologically, it combines a Qualitative Comparative Analysis with case studies of selected African countries.
Projektdauer: Oktober 2011 bis September 2014.