Forschungsgruppe "Politische Ökonomie der europäischen Integration"


 

Projekte

 
Hier finden sich Kurzbeschreibungen der Projekte, die seit 2008 in der Forschungsgruppe angesiedelt sind.
 
 
 
Einführung zu "Politische Ökonomie der europäischen Integration"
Martin Höpner

 
Die Europäische Union ist von Erweiterungsrunde zu Erweiterungsrunde heterogener geworden. In ihr finden sich höchst unterschiedliche Wohlstandsniveaus, Sozialstaaten, Arbeitsbeziehungen und Corporate-Governance-Regime. Die Forschungsgruppe analysiert, welche Auswirkungen diese Heterogenität auf den Verlauf der europäischen Integration entfaltet. Insbesondere befasst sie sich mit folgenden Fragestellungen: (1) der politökonomischen Konfliktstruktur in der EU und in der Eurozone; (2) der Funktionsweise der europäischen Wirtschafts- und Währungsunion; (3) dem Spannungsfeld zwischen rechtlicher und politischer Integration; (4) dem Liberalisierungsbias der europäischen Integration; (5) den Determinanten der Teilautonomie der supranationalen Institutionen Kommission und Europäischer Gerichtshof (EuGH); (6) dem durch die europäische Integration angestoßenen Wandel der europäischen Spielarten des Kapitalismus und seinen Konsequenzen für Produktion, Verteilung und Demokratie; (7) der politökonomischen Fundierung von Integrationstheorien.

 
 
 
Die Politische Ökonomie der Europäischen Währungsintegration
Martin Höpner

 
Dieses Projekt befasst sich mit der Fähigkeit der Mitglieder des Euroraums, ihre Lohn- und Preisauftriebe zu synchronisieren. Weil in festen Wechselkursregimen Auf- und Abwertungen nicht mehr möglich sind, führen heterogene Lohn- und Preisauftriebe vor dem Hintergrund nicht anpassbarer nominaler Wechselkurse unweigerlich zu Wettbewerbsverzerrungen. Solche Verzerrungen liegen den derzeit zu beklagenden transnationalen makroökonomischen Ungleichgewichten im Euroraum zugrunde. In einem Teilprojekt wird untersucht, ob die Heterogenität der europäischen Modi der Lohnfindung einen eigenständigen Beitrag zu den unterschiedlichen nominalen Lohnauftrieben im Euro geleistet hat. Ein weiteres Teilprojekt geht der Frage nach, ob die Auf- und Abwertungen im Rahmen des Europäischen Währungssystems (1979-1998) den EWS-Teilnehmern bei der Minimierung wirtschaftlicher Ungleichgewicht halfen. Projektdauer: Seit Oktober 2012.

 
 
 
Die Dynamiken der "Integration durch Recht"
Martin Höpner
 

Dieses Projekt nimmt die jüngste Binnenmarktrechtsprechung zum Ausgangspunkt für eine Analyse der extensiven Interpretation der europäischen Grundfreiheiten und die Verarbeitung der daraus hervorgehenden EuGH-Urteile durch die Mitgliedstaaten. Die Urteile intensivieren die Binnenmarktintegration, indem sie die europäischen Grundfreiheiten auf nationale Rechtsbestände anwenden, die zuvor dem autonomen Gestaltungsspielraum der Mitgliedstaaten unterlagen (zum Beispiel: das Arbeitskampfrecht im Urteil zu Laval). Das Projekt stellt die aktuelle Rechtsprechung in den Kontext eines langen Prozesses der politisch unkontrollierten Vereinnahmung mitgliedstaatlicher Kompetenzen. Es fragt nach den Quellen der Handlungsfreiheit des EuGH, europäische Kompetenzen immer mehr zu Ungunsten der Mitgliedstaaten auszudehnen, und nach den politisch-ökonomischen Implikationen für die koordinierten, organisierten Ökonomien Europas. Insbesondere wird analysiert, wie das Zusammenwirken nationaler und europäischer Interessen eine wirksame politische Kontrolle der europäischen Rechtsentwicklung verhindert oder zumindest doch unwahrscheinlich macht. In diesem Zusammenhang wird auch die Interessenlage von Verbänden, insbesondere von Gewerkschaften, in den Blick genommen. Projektdauer: Oktober 2008 bis September 2019.
 
 
 
Makroökonomische Anpassungspolitik: Formen von Krisenmanagement in der europäischen Wirtschaftsintegration
Alexander Spielau

 
Im Verlauf der europäischen Währungsintegration, insbesondere seit der Schaffung des Europäischen Währungssystems im Jahr 1979, war es immer wieder nötig, neue Formen makroökonomischen Krisenmanagements zu finden. Europäische Regierungen begaben sich in Zeiten von Anpassungskrisen in Prozesse kreativer Politikgestaltung und auf die Suche nach neuen Lösungswegen. Dabei spielten Institutionen wie der IWF eine bedeutende Rolle für die Bereitstellung von Zahlungsbilanzunterstützung. Das Projekt will im Rahmen der Vergleichenden Politischen Ökonomie zum Verständnis der Politik makroökonomischer Anpassung in Krisenzeiten beitragen und setzt dabei drei Forschungsschwerpunkte: (1) die Entwicklung der politischen Praxis in zentralen Politikfeldern makroökonomischer Anpassung zu verstehen. Der Fokus liegt auf drei Politikfeldern, die aufgrund der Nichtnutzbarkeit von Wechselkurspolitik am ehesten geeignet sind, die inländische Preisentwicklung zu beeinflussen. Dazu gehört vor allem die Geld- und in einem geringeren Ausmaß die Fiskal- und Lohnpolitik; (2) die Nutzung atypischer und marginaler Politikfelder im Prozess des makroökonomischen Managements zu hinterfragen; (3) die Rolle externer Akteure im Prozess der makroökonomischen Anpassung in Europa aufzuzeigen. Die Analyse nutzt einen multimethodischen Ansatz auf der Basis von Large-N-Datensätzen und Fallstudien. Projektdauer: Oktober 2016 bis Juni 2018.

 
 
 
Kapitalistische Vielfalt, Fragmentierung und neoliberale Reformen der EU in Zentral- und Osteuropa
Martin Mendelski

 
Das Projekt untersucht die Herausbildung von funktionierenden Marktwirtschaften in Zentral- und Osteuropa. Dabei soll insbesondere der Einfluss der EU sowie transnationaler Akteure auf den Grad an Fragmentierung staatlicher und unternehmensrelevanter Sektoren, Organisationen und Unternehmen erfasst werden. Unter Fragmentierung wird hier die Zersplitterung eines integrierten Ganzen in mehrere nicht zusammenhängende Teilstücke verstanden, ein Prozess, der in institutioneller Inkohärenz, struktureller Heterogenität und der Koexistenz mehrerer Koordinationslogiken resultieren kann. Es wird zunächst gezeigt, dass die von der EU geforderten Reformen die bereits hohe Fragmentierung in Ländern des Westlichen Balkans und in Rumänien verstärken, während strukturelle Reformen in Polen, Estland und Slowenien zu niedrigeren Graden an Fragmentierung (und sogar zur Konsolidierung) führen. In einem weiteren Schritt wird der Frage nachgegangen, ob und inwieweit die unterschiedlichen Fragmentierungsgrade sich in der Funktionsweise der politischen Ökonomien der betroffenen Länder widerspiegeln. In dem Projekt kommen sowohl qualitative Fallstudien als auch quantitativ-vergleichende Analysen zum Einsatz. Projektlaufzeit: Oktober 2016 bis September 2018.

 
 
 
Die Politik budgetärer Einschränkung: Eine Analyse der Variation nationaler Fiskalrahmen zwischen den Mitgliedstaaten der Eurozone
Andreas Eisl

 
Während der europäischen Staatsschuldenkrise haben Mitgliedstaaten der Eurozone ihre fiskalpolitische Entscheidungsfreiheit durch die Implementierung nationaler Fiskalrahmen eingeschränkt, teilweise weit über die gemeinsamen Vorgaben der Europäischen Union hinaus. Nationale Fiskalrahmen bestehen aus länderspezifischen Ausgestaltungen numerischer Fiskalregeln, unabhängigen Fiskalräten und dazugehörigen Korrekturmechanismen. Ein nationaler Fiskalrahmen ist umso strikter, je kleiner der budgetäre Spielraum für Defizite einer Fiskalregel, je größer die Kompetenzen und Mitspracherechte der Fiskalräte und je automatischer die Korrekturmechanismen im Fall von Regelverstößen sind. Angesiedelt im Feld der vergleichenden Politischen Ökonomie ist Ziel dieses Dissertationsprojekts, die Variation in der Strenge nationaler Fiskalrahmen zu erklären. Ausgehend von einer Auswertung der existierenden quantitativen Forschung zu diesem Thema vertiefen mehrere qualitative Länderfallstudien das Projekt unter Zuhilfenahme von Interviews mit politischen Entscheidungsträgern, Beamten und Experten, Länderreports, parlamentarischen Debatten und Zeitungsartikeln. Diese Dissertation ist Teil eines Cotutelle-Programms der Sciences Po, Paris, und der IMPRS-SPCE, Köln. Projektdauer am MPIfG: Oktober 2015 bis März 2019.

 
 
 
Gewerkschaften, öffentliche Arbeitgeber und die Wirtschafts- und Währungsunion: Lohndynamik im öffentlichen Sektor Deutschlands und Italiens
Donato Di Carlo

 
In der Europäischen Wirtschafts- und Währungsunion wird über zwei der vier Standardinstrumente zur makroökonomischen Steuerung, nämlich die Geld- und die Wechselkurspolitik, auf supranationaler Ebene entschieden. Zudem schränkt der Stabilitäts- und Wachstumspakt die Spielräume der nationalen Fiskalpolitik stark ein. Vor diesem Hintergrund verbleibt die Lohnpolitik als entscheidendes länderspezifisches Instrument, das sich jedoch sowohl stabilisierend als auch destabilisierend auswirken kann. Die Vergleichende Politische Ökonomie hat die spezifischen Merkmale der Lohnfindung im Exportsektor ausführlich untersucht. Bisher kaum erforscht sind hingegen die endogenen Bedingungen und Prozesse der Lohnfindung im öffentlichen Sektor. Das Dissertationsprojekt soll den Determinanten der in Deutschland und Italien unterschiedlich gehandhabten Lohnfindung im öffentlichen Sektor während der europäischen Währungsintegration auf den Grund gehen. Es stützt sich auf einen historisch-vergleichenden Analyseansatz und führt Erkenntnisse aus der Vergleichenden Politischen Ökonomie, der Finanzsoziologie und der Theorie der industriellen Arbeitsbeziehungen zusammen. Damit leistet das Projekt einen Beitrag zu der seit den 1970er-Jahren anhaltenden Debatte in der europäischen Vergleichenden Politischen Ökonomie über das Verhältnis von Arbeitsbeziehungen im öffentlichen Sektor, Lohnfindung und makroökonomischen Ergebnissen. Projektdauer: Oktober 2015 bis März 2019.

 
 
 
Die Politische Ökonomie der Europäischen Kapitalmarktunion im Kontext der Wachstums- und Eurokrise
Marina Hübner
 

Die Finanzmarktregulierung gilt als ein Politikfeld, in dem weitreichende Entscheidungskompetenzen von den Nationalstaaten auf die europäische Ebene verlagert wurden. Inwieweit dieser Machtzuwachs von supranationalen Akteuren, allen voran der Europäischen Kommission und der EZB, zur Durchsetzung eigener strategischer Ziele genutzt wird, bleibt in der EU-Finanzmarktliteratur bisher weitgehend unbeleuchtet. Das Dissertationsprojekt soll dazu beitragen, diese Erkenntnislücke zu schließen, indem es die der Kapitalmarktunion zugrunde liegenden Dynamiken in den Blick nimmt. Die Kapitalmarktunion, ein wichtiger Pfeiler europäischer Pläne zur Überwindung wirtschaftlicher Stagnation und währungspolitischer Instabilität, soll eine Katalysatorrolle für die Transformation der überwiegend bankbasierten Finanzsysteme Kontinentaleuropas hin zu einem marktbasierten System US-amerikanischer Prägung einnehmen. Das Projekt zeichnet den Prozess nach, durch den sich das Finanzwesen als das Mittel zur Lösung politischer und ökonomischer Herausforderungen etablieren konnte, die die EU und die Währungsunion im Kern betreffen. Dabei stützt es sich auf Erkenntnisse aus der EU-Integrationsforschung sowie der kritischen politischen Ökonomie. Die qualitative Prozessanalyse basiert auf Experteninterviews sowie einer Dokumentenanalyse. Theoretisch trägt das Projekt zur Debatte über die Reform der institutionellen Struktur der Währungsunion sowie zum Marktschaffungsbias im europäischen Integrationsprozess bei. Projektdauer: Oktober 2014 bis März 2018.

 
 
 
Nationale Parlamente und die wirtschaftspolitische Steuerung der Europäischen Union
Aleksandra Maatsch

 
Während der europäischen Schuldenkrise wurden nationale Parlamente in verschiedene rechtliche und politische Maßnahmen der Krisenbewältigung und der Verhinderung zukünftiger Krisen eingebunden. In diesem Politikbereich dominiert gewöhnlich die Exekutive, während die Parlamente lediglich eine untergeordnete Rolle spielen. Seit dem Ausbruch der Staatschuldenkrise jedoch wurden die meisten Parlamente mit in die Entscheidung über neue rechtliche und politische Maßnahmen eingebunden, die von den Regierungen der Eurostaaten verabschiedet worden sind. Empirisch strebt das Projekt an, die vorherrschenden Muster der Gläubiger- und Schuldnerländer bei der Unterstützung und Opposition von Krisenmaßnahmen sowie ihre Veränderungen im Zeitverlauf herauszuarbeiten. Das Projekt stützt sich auf die Analyse von Parlamentsdebatten und Abstimmungen über die entscheidenden Instrumente der Krisenbewältigung (EFSF, Finanzstabilisierungsfazilität; ESM, Europäischer Stabilitätsmechanismus; Verfahren zur Erkennung und Korrektur makroökonomischer Ungleichgewichte; Europäischer Fiskalpakt). Die Untersuchung umfasst die Parlamente aller Mitglieder der Eurozone. Das Projekt leistet einen Beitrag zur Diskussion über die Legitimität wirtschaftspolitischer Eingriffe der europäischen Ebene. Projektdauer: Oktober 2014 bis September 2016.

 
 
 
Makroökonomische Anpassungspolitik: Formen von Krisenmanagement in der europäischen Wirtschaftsintegration
Alexander Spielau

 
Im Verlauf der europäischen Währungsintegration, insbesondere seit der Schaffung des Europäischen Währungssystems im Jahr 1979, war es immer wieder nötig, neue Formen makroökonomischen Krisenmanagements zu finden. Europäische Regierungen begaben sich in Zeiten von Anpassungskrisen in Prozesse kreativer Politikgestaltung und auf die Suche nach neuen Lösungswegen. Dabei spielten Institutionen wie der IWF eine bedeutende Rolle für die Bereitstellung von Zahlungsbilanzunterstützung. Das Projekt will im Rahmen der Vergleichenden Politischen Ökonomie zum Verständnis der Politik makroökonomischer Anpassung in Krisenzeiten beitragen und setzt dabei drei Forschungsschwerpunkte: (1) die Entwicklung der politischen Praxis in zentralen Politikfeldern makroökonomischer Anpassung zu verstehen. Der Fokus liegt auf drei Politikfeldern, die aufgrund der Nichtnutzbarkeit von Wechselkurspolitik am ehesten geeignet sind, die inländische Preisentwicklung zu beeinflussen. Dazu gehört vor allem die Geld- und in einem geringeren Ausmaß die Fiskal- und Lohnpolitik; (2) die Nutzung atypischer und marginaler Politikfelder im Prozess des makroökonomischen Managements zu hinterfragen; (3) die Rolle externer Akteure im Prozess der makroökonomischen Anpassung in Europa aufzuzeigen. Die Analyse nutzt einen multimethodischen Ansatz auf der Basis von Large-N-Datensätzen und Fallstudien. Projektdauer: Oktober 2016 bis Juni 2018.

 
 
 
Potenziale einer europäischen Gewerkschaftsbewegung
Martin Seeliger

 
Das Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit den Herausforderungen, mit denen sich die europäischen Gewerkschaftsverbände bei der Formulierung transnational und intersektoral getragener Positionen konfrontiert sehen. Diese Herausforderungen werden im Zeitverlauf anspruchsvoller. Denn zum einen hat die Heterogenität politökonomischer Interessenlagen auch im Arbeitnehmerlager von Erweiterungsrunde zu Erweiterungsrunde zugenommen, zum anderen werden angesichts der fortschreitenden Vertiefung des Integrationsprozesses Arbeitnehmerinteressen durch europäische Entscheidungen heute unmittelbarer berührt als in der Vergangenheit. Das Projekt untersucht die Strategien gemeinsamer Interessensformulierung anhand ausgewählter Politikfelder wie der Lohnkoordination und der europäischen Dienstleistungsfreiheit. Projektdauer: Oktober 2012 bis September 2016.

 
 
 
Das Eurobarometer als strategisches Instrument der Legitimationsbeschaffung
Martin Höpner und Bojan Jurczyk
 
Das Eurobarometer ist ein wichtiger Datenlieferant der empirischen Integrationsforschung und dient insbesondere der Erhebung des Integrationswillens der europäischen Bürgerinnen und Bürger. Allerdings fungiert die Europäische Kommission selbst als Initiatorin des Eurobarometers. Sie steht den demoskopischen Befunden daher nicht neutral gegenüber. Vielmehr ist sie daran interessiert, die Integrationsbereitschaft der Befragten so ausgeprägt wie nur möglich darstellen zu können. Das Projekt analysiert Eurobarometer-Fragebögen der Jahre 1995 bis 2010 und zeigt, wie die Kommission Fragen in strategischer Absicht so formuliert, dass die Wahrscheinlichkeit integrationsfreundlicher Ergebnisse erhöht wird. Projektdauer: Oktober 2011 bis September 2014.

 
 
 
Parteispenden großer deutscher Unternehmen
Martin Höpner und Achim Goerres

 
Spenden aus der freien Wirtschaft sind eine unverzichtbare Einnahmequelle für politische Parteien, insbesondere bei der Finanzierung von Wahlkampagnen. Was ist ausschlaggebend für die Entscheidung eines großen Unternehmens, einer bestimmten Partei Geld zu spenden? Zur Beantwortung dieser Frage werden die Spenden der einhundert größten deutschen Unternehmen an die im Deutschen Bundestag vertretenen Parteien seit den 1980er-Jahren erfasst und mithilfe von statistischen Selektionsmodellen ausgewertet. Dabei werden die Spendenbereitschaft, die Höhe der gespendeten Beträge und deren Verteilung auf die Parteien analysiert. Es werden zwei Spendenstrategien unterschieden: die gezielte Stärkung eines politischen Lagers und die flächendeckende „politische Landschaftspflege“. Das Projekt fragt nach systematischen Zusammenhängen zwischen den Spendenstrategien und Strukturmerkmalen der Unternehmen, zu denen insbesondere zählen: Unternehmensgröße, Eigentümerstrukturen, Kapital- und Personalverflechtungsgrade, Branchenzugehörigkeit, Grade an Arbeitnehmermitbestimmung auf Ebene der Leitungsorgane. Projektdauer: März 2010 bis September 2013.

 
 
 
Unternehmensmitbestimmung in Deutschland
Martin Höpner, Tim Müllenborn und Maximilian Waclawczyk

 
Dieses Projekt befasst sich mit unterschiedlichen Aspekten der deutschen Unternehmensmitbestimmung auf Ebene der Leitungsorgane. Es besteht aus zwei Teilprojekten. Ein Teilprojekt befasst sich mit einem Index der Reichweite der Unternehmensmitbestimmung in den 100 größten deutschen Unternehmen. Der Index erlaubt die Überprüfung von Hypothesen zu den Determinanten unterschiedlicher Mitbestimmungsintensitäten und zu den wirtschaftlichen und sozialen Wirkungen der Unternehmensmitbestimmung. Das andere Teilprojekt befasst sich mit den Haltungen der Arbeitgeber zum mitbestimmten Aufsichtsrat, die sich seit den siebziger Jahren von schroffer Ablehnung zu einer weitgehenden Akzeptanz gewandelt haben. Projektdauer: November 2008 bis Dezember 2011.

 
 
 
Der Kampf um „Goldene Aktien“ vor dem Hintergrund der europäischen Kapitalverkehrsfreiheit
Benjamin Werner

 
Das Dissertationsprojekt analysiert europäische Liberalisierungspolitik anhand von politischen Initiativen sowie EuGH-Urteilen zur Kapitalverkehrsfreiheit. Politische Versuche der Kommission, auf eine Vereinheitlichung europäischer Unternehmenskontrollsysteme hinzuwirken, scheiterten an den divergenten Interessen der Mitgliedstaaten. Indes, seit den 1990er-Jahren, ist die Kapitalverkehrsfreiheit auch zu einem zentralen Gegenstand der Rechtssprechung des EuGH geworden. Insbesondere befasste sich der EuGH in einer Serie jüngerer Urteile mit staatlichen Sonderstimmrechten, so genannten „Goldenen Aktien“. Die Urteile hatten die Vereinbarkeit solcher Sonderstimmrechte mit den europäischen Grundfreiheiten zum Gegenstand. In fast allen Fällen kam der EuGH zu dem Schluss, dass diese Sonderrechte gegen die Kapitalverkehrsfreiheit verstoßen. Anhand von Fallstudien zu einigen Sonderstimmrechtsurteilen (beispielsweise dem „VW-Urteil“ von 2007) sowie den politischen Begleitumständen und Gegenreaktionen soll die Frage beantwortet werden, unter welchen politischen Bedingungen im europäischen Kontext Rechtsprechung auf effektive Liberalisierung der Unternehmenskontrolle hinwirken und damit einen Wandel in Richtung liberaler Marktökonomien anstoßen kann. Projektdauer: Oktober 2008 bis September 2013.

 
 
 
Der Konflikt um die europäische Liberalisierung des öffentlichen Bankenwesens
Daniel Seikel

 
Das Dissertationsprojekt untersucht politisch-ökonomische Konfliktkonstellationen im europäischen politischen Mehrebenensystem am Beispiel der Liberalisierung des öffentlichen Bankenwesens. Die Regulierung des öffentlichen Bankenwesens befindet sich an der Schnittstelle von globaler Finanzmarktregulierung, europäischer Binnenmarkt- und Wettbewerbspolitik und nationaler Bankenregulierung. Insbesondere seit den 1990er-Jahren ist das öffentliche Bankenwesen zu einem Streitfall zwischen Kommission und Bundesregierung geworden. Das Projekt analysiert den Konflikt um das öffentliche Bankenwesen in historischer Perspektive und behandelt die Frage, wie sich die Präferenzen und Strategien der Akteure mit dem Entstehen neuer politischer Gelegenheitsstrukturen verändern. Dabei gilt das Hauptaugenmerk auf europäischer Ebene der Kommission und dem EuGH sowie auf nationaler Ebene der Bundesregierung, landes- und kommunalpolitischen Akteuren sowie privaten Akteuren aus dem Bankensektor. Projektdauer: Oktober 2008 bis September 2012.  
 
 
 
Liberalisierungspolitik im internationalen Vergleich
Martin Höpner, Alexander Petring, Daniel Seikel und Benjamin Werner
 
Liberalisierungspolitik bezeichnet die politisch herbeigeführte und politisch legitimierte Delegation von Allokations- und Distributionsentscheidungen an Märkte. Etwa seit den 1980er Jahren ist Liberalisierungspolitik in den entwickelten Industrieländern als länder- und politikfeldübergreifendes Phänomen zu beobachten, das sich systematisch über einen längeren Zeitraum erstreckt . Dieses Teilprojekt setzt sich zum Ziel, das Ausmaß an Liberalisierungspolitik anhand international vergleichender Daten für 21 OECD-Länder und für die Jahre 1980 bis 2005 zu erfassen. Anhand der Daten wird insbesondere untersucht, inwieweit Liberalisierungspolitik einem internationalen Konvergenztrend unterliegt. Das Teilprojekt wird als Einstieg in die Arbeit mit Liberalisierungstheorien und mit international vergleichenden Daten genutzt, bevor sich die Forschungsgruppe schwerpunktmäßig dem Zusammenhang von europäischer Integration und politisch herbeigeführter Marktschaffung zuwendet. Projektdauer: Oktober 2008 bis April 2010.
 
 
 
Die politische Ökonomie der europäischen Integration
Martin Höpner und Armin Schäfer

 
Auf dem europäischen Kontinent haben sich seit der Industrialisierung höchst unterschiedliche Kapitalismusmodelle entwickelt. Nun sind diese Länder Teile eines zunehmend integrierten Wirtschaftsraums. Nachdem die Integration der Produktmärkte weitgehend abgeschlossen ist, zielen Integrationsversuche nun verstärkt auf die Dienstleistungs- und Kapitalmärkte. Dies führt zu Spannungen mit den Institutionen der "organisierten", "rheinischen" Spielart des Kapitalismus. Gleichzeitig bleibt die Zusammenarbeit in der Steuer-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik unterentwickelt und der Währungsintegration stehen keine Instrumente einer europäischen makroökonomischen Politik gegenüber. Versuche, einheitliche Mindeststandards beispielsweise in der Sozialpolitik oder der Unternehmensbesteuerung zu etablieren, werden durch den intergouvernementalen Einigungszwang erschwert. Im Projekt wird der Forschungsstand zur politischen Ökonomie der jüngeren europäischen Integration zusammengetragen und nach den politischen Implikationen des "Clashs der Kapitalismen" gefragt. Projektdauer: Oktober 2006 bis September 2014.
 
 
 
 
 
Stand: August 2018.


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