Politics and Society in Dynamic Capitalism

Festivities in honor of Wolfgang Streeck
upon his retirement as MPIfG director in October 2014

 

 

MPIfG Presseinformation | 7. Oktober 2014

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Bereit für die großen Fragen
Der Soziologe und Politikwissenschaftler Wolfgang Streeck wird emeritiert
 
Wolfgang Streeck, seit 1995 Direktor am Kölner Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung (MPIfG), wird am 31. Oktober 2014 emeritiert. Mit einem wissen­schaftlichen Kolloquium und einer Festveranstaltung würdigt das Institut einen Forscher, der die sozialwissenschaftliche Diskussion über das Spannungsverhältnis zwischen demokratischer Politik und kapitalistischer Wirtschaft in Deutschland und darüber hinaus maßgeblich geprägt hat. Mit seinen Arbeiten wird er die wissenschaftliche und öffentliche Diskussion weiter beleben.
 
"Mit zunehmender Erfahrung gewinnt man die Breite, die man braucht, um größere Problemstellungen anzugehen. Und umso mehr finden die Ergebnisse ein Publikum außerhalb der engeren akademischen Leserschaft." Mit diesen Worten erklärt Wolfgang Streeck, dass er nach dem Ausscheiden aus seinem Amt als Direktor des MPIfG auch weiter an der Forschung des Instituts teilnehmen will: "Die Fragen zu beantworten, die sich mir stellen, sehe ich nicht als 'Arbeit'. Das Vergnügen, über sie nachzudenken, gehört zu meiner Person. Damit aufhören zu sollen – das empfände ich eher als Drohung."
 
Wolfgang Streecks Forschung bezog sich von Anfang an auf ein Grundproblem kapitalistischer Gesellschaftsordnungen: auf die Dynamik des Verhältnisses von Markt und Politik. Diese Thematik hat er anhand so unterschiedlicher Gegenstände untersucht wie der Organisationsprobleme von Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden, der Arbeitsorganisation in der Automobilindustrie, der Struktur von Ausbildungssystemen, der Krise der Staatsfinanzen und der europäischen Integration, der Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie der Entwicklung der Familienstrukturen. Die von ihm aufgeworfenen Fragen zur Notwendigkeit und zu den Problemen der sozialen Einbettung kapitalistischer Märkte, zu ihren Entstehungsvoraussetzungen, ihren sich wandelnden Funktionsweisen sowie ihrem Fortbestand vor dem Hintergrund der fortschreitenden Internationalisierung der Wirtschaft sind in den sozial- und politikwissenschaftlichen Fachdiskursen beiderseits des Atlantiks gleichermaßen präsent.
 
In seinem jüngsten Buch Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus zeichnet Streeck den Wandel des Verhältnisses von Demokratie und Kapitalismus vom Ende der Nachkriegszeit in den 1970er-Jahren bis zur gegenwärtigen Finanz- und Wirtschaftskrise nach und fragt nach den Aussichten für eine Wiederherstellung sozialer und wirtschaftlicher Stabilität. Das 2013 erschienene Werk hat in der Sozialwissenschaft wie auch in der öffentlichen Diskussion hohe Aufmerksamkeit gefunden – in Deutschland und Europa ebenso wie in Nord- und Südamerika.
 
Vielfach wurde Streeck für seine Forschung ausgezeichnet, zuletzt 2012 mit dem Preis der Deutschen Gesellschaft für Soziologie für herausragende Leistungen auf dem Gebiet der öffentlichen Wirksamkeit der Soziologie. Als einer von sechs "world-class thinkers" ist er nominiert für den New Statesman SPERI Prize für politische Ökonomie.
 
Wolfgang Streeck lehrte als Gastprofessor an wissenschaftlichen Hochschulen in den USA und Europa, darunter die New School for Social Research in New York, das Europäische Hochschulinstitut in Florenz, die Universitäten in Mailand, Madrid und Warwick sowie die Sciences Po in Paris. Er ist Mitglied der redaktionellen Beiräte renommierter internationaler wissenschaftlicher Zeitschriften. In drei Jahrzehnten hat er als Berater in politischen Kommissionen mitgewirkt, etwa als Mitglied der Regierungskommission zur Modernisierung der Unternehmensmitbestimmung (Mitbestimmungskommission) der Regierungen Schröder und Merkel.
 
Am 30. und 31. Oktober 2014 finden am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung und im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum die Festlichkeiten anlässlich der Emeritierung von Wolfgang Streeck statt. Mit dem Vortrag "Gesellschaftssteuerung heute" verabschiedet sich Streeck aus seiner Position als Institutsdirektor am MPIfG (Donnerstag, 30. Oktober, ab 16 Uhr im MPIfG). An das wissenschaftliche Kolloquium "Politics and Society in Dynamic Capitalism" (Freitag, 31. Oktober, 9–16 Uhr im MPIfG) mit rund 90 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Europa und den USA schließt sich eine Festveranstaltung an, mit der rund 180 geladene Gäste einen langjährigen Direktor, Kollegen und Kooperationspartner ehren (Freitag, 31. Oktober, ab 17 Uhr im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum).
 

 
Wolfgang Streeck: Vita
 
Der Soziologe Prof. Dr. Dr. h.c. Wolfgang Streeck (geb. 1946 in Lengerich) forscht an der Schnittstelle zwischen Soziologie, Politikwissenschaft und politischer Ökonomie. Dabei verwendet er einen historisch-vergleichenden institutionellen Ansatz.
 
Streeck studierte Soziologie in Frankfurt a.M. und New York. 1986 wurde er an der Universität Bielefeld habilitiert. Von 1988 bis 1995 war er Professor für Soziologie und Industrielle Arbeitsbeziehungen an der University of Wisconsin-Madison.
 
Von 1995 bis 2014 war er Direktor am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln und Mitglied der Fakultät für Wirtschafts- und Sozialwissenschaften der Universität zu Köln.
 
Persönliche Homepage
ausführlicher Lebenslauf
Festschrift zum 60. Geburtstag mit Einleitungskapitel von Anke Hassel und Martin Höpner

 


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[Last updated 07.10.2014 09:07]