Dr. Mark Lutter


 

Forschungsprojekte


 

"Winner-take-all"-Märkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft


Auf "Winner-take-all"-Märkten bestehen zwischen Anbietern nur sehr geringe Leistungsunterschiede, aber extreme Unterschiede im Erfolg. Den wenigen "Gewinnern" steht eine breite Masse von "Nichtgewinnern" gegenüber. Leistung, Qualität oder Talent übersetzt sich auf diesen Märkten nicht proportional in Erfolg. Ein Künstler, der über das Hundertfache des Durchschnittseinkommens verfügt, besitzt nicht zugleich ein hundertfach größeres Talent. Aufgrund der großen Erfolgskonzentration ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, ein überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen oder überhaupt am Markt bestehen zu können. Wie ist die Motivation der Akteure zu erklären, sich in diese Märkte zu begeben? Von welchen Umständen hängt ihre Investitionsentscheidung ab? Wie entstehen Winner-take-all-Märkte? Das Forschungsprojekt will diese Fragen theoretisch wie empirisch beantworten. Im Vordergrund steht die Untersuchung der sozialen Triebkräfte, die die Entstehung dieser Märkte und ihre Erfolgsverteilungen erklären können. Die empirische Grundlage bilden Märkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere Strukturdaten aus der Filmwirtschaft und Daten aus standardisierten Befragungen von Künstlern, Musikern, Schauspielern und sonstigen Kreativen.

 

Nachfragerverhalten und Verteilungswirkungen des Lotteriespiels in Deutschland (zusammen mit Jens Beckert)



Mit einem Umsatz von über 30 Milliarden Euro jährlich ist der Glücksspielmarkt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Das Zahlenlotto ist neben Spielbanken der größte Einzelmarkt darin. Als Markt zeichnet sich der Lotteriemarkt durch die interessante Besonderheit aus, dass dort ein Gut mit einem negativen erwarteten monetären Nutzen für die Nachfrager gehandelt wird. Da nur weniger als 50 Prozent der Einnahmen als Gewinne verteilt werden, haben Lotterielose einen geringeren erwarteten Nutzen als der Kaufpreis des Loses. Wie kommt es auf diesen Märkten dennoch zu einer Nachfrage? Hierfür sollen in dem Projekt vier unterschiedliche Erklärungsansätze getestet werden: die Bedeutung irrationaler Entscheidungsmotive, funktionalistische Theorien des Spannungsmanagements, Ansätze, die von der situationsbedingten Rationalität des Loskaufs ausgehen und netzwerkanalytische Erklärungen, die soziale Sekundäreffekte des Lotteriespiels (Kontaktmöglichkeiten) hervorheben.
Das Projekt geht weiterhin, vergleichend mit den USA, der Frage der Problematisierung unter normativen Gesichtspunkten nach und untersucht die möglichen Umverteilungseffekte durch das Lotteriespiel. Lotterielose sind besonders hoch besteuerte Güter. Hierfür wird der Frage nachgegangen, in welchem Ausmaß sich regressive Verteilungswirkungen durch die Lotterielosbesteuerung feststellen lassen.
Die Datenerhebung für das Forschungsprojekt basiert hauptsächlich auf einer bevölkerungsrepräsentativen telefonischen Umfrage, die 2006 in Zusammenarbeit mit einem sozialwissenschaftlichen Umfrageinstitut durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden 1508 zufällig ausgewählte Personen nach ihrem Lotto- und Glücksspielverhalten befragt.
"Das Lottospiel in sozialwissenschaftlicher Perspektive"
Workshop am MPIfG, 29. Februar 2008

 

Berichterstattung in den Medien über dieses Projekt:


"Chancenlos, aber lustbetont: Die Magie des Lottospiels", Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.07.2006.

"Ran an die Millionen", Financial Times Deutschland, 04.10.2006.

"Freiheit für den Goldesel", Brand Eins Magazin, 10/2006.
"288 Millionen im Jackpot", Neue Züricher Zeitung am Sonntag, 12.11.2006.

"Baugenehmigung für Luftschlösser", Handelsblatt, 13.12.2006.

"Oh Fortuna. Ob Lotto oder Roulette - das Spiel mit der extremen Unwahrscheinlichkeit boomt, und der Staat verdient kräftig mit", Frankfurter Rundschau, 21.02.2007.

"Der Lotteriemarkt in Deutschland. Interview mit Mark Lutter", arte.tv, 04/2007.

"Lotto und der Jackpot. Neue Studie des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung", Studiozeit, Deutschlandfunk, 16.08.2007.

"Lotto-Ökonomie, Luftschloss", Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.10.2007.

 


Dr. Mark Lutter - Forschungsprojekte | http://www.mpifg.de/people/lm/projects_de.asp [Zuletzt geändert am 20.03.2012]