Dr. Mark Lutter


 

Forschungsprojekte


 

Transnationale Diffusion von Innovationen


Die Entstehung und Ausbreitung von Innovationen spielt in einer globalisierten Gesellschaft eine immer bedeutender werdende Rolle. Welche Faktoren bestimmen die Diffusion von Innovationen zwischen Individuen, Netzwerken, Organisationen und Gesellschaften? Wie verbreiten sich neue Organisationsformen, Gesetzgebungen, technische Errungenschaften oder kulturelle Normen, Moden und Geschmack? Ziel der Projekte dieses Forschungsvorhabens ist der Entwurf einer empirisch fundierten soziologischen Theorie der Diffusion. Besonderes Interesse liegt dabei auf der Analyse "sozialer" Prozesse und deren Wirkung auf Diffusionsprozesse. Untersucht werden soll, inwiefern soziale Einbettungsformen des Handelns (d.h. Prozesse sozialer Ansteckung, Interaktion, Netzwerke sowie soziale und kulturelle Kapitalformen) Diffusionsprozesse über Zeit erklären.


Ausgewählte Publikationen:


Fernández, Juan J. / Mark Lutter. 2013. "Supranational cultural norms, domestic value orientations and the diffusion of same-sex union rights in Europe, 1988–2009." International Sociology 28:102-120.


Lutter, Mark. 2010. "Zur Erklärung von Diffusionsprozessen. Das Beispiel der Einführung staatlicher Lotterien in den USA." Zeitschrift für Soziologie 39:363-381.



 

"Winner-take-all"-Märkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft


Auf "Winner-take-all"-Märkten bestehen zwischen Anbietern nur sehr geringe Leistungsunterschiede, aber extreme Unterschiede im Erfolg. Den wenigen "Gewinnern" steht eine breite Masse von "Nichtgewinnern" gegenüber. Leistung, Qualität oder Talent übersetzt sich auf diesen Märkten nicht proportional in Erfolg. Ein Künstler, der über das Hundertfache des Durchschnittseinkommens verfügt, besitzt nicht zugleich ein hundertfach größeres Talent. Aufgrund der großen Erfolgskonzentration ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, ein überdurchschnittliches Einkommen zu erzielen oder überhaupt am Markt bestehen zu können. Wie ist die Motivation der Akteure zu erklären, sich in diese Märkte zu begeben? Von welchen Umständen hängt ihre Investitionsentscheidung ab? Wie entstehen Winner-take-all-Märkte? Das Forschungsprojekt will diese Fragen theoretisch wie empirisch beantworten. Im Vordergrund steht die Untersuchung der sozialen Triebkräfte, die die Entstehung dieser Märkte und ihre Erfolgsverteilungen erklären können. Die empirische Grundlage bilden Märkte in der Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere Strukturdaten aus der Filmwirtschaft und Daten aus standardisierten Befragungen von Künstlern, Musikern, Schauspielern und sonstigen Kreativen.


Ausgewählte Publikationen:


Lutter, Mark. 2014. "Do Women Suffer from Network Closure? The Moderating Effect of Social Capital on Gender Inequality in a Project-based Labor Market, 1929-2010." American Sociological Review (i. E.).


Lutter, Mark. 2013. "Strukturen ungleichen Erfolgs. Winner-take-all-Konzentrationen und ihre sozialen Entstehungskontexte auf flexiblen Arbeitsmärkten." Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 65:597-622.


Lutter, Mark. 2012. "Anstieg oder Ausgleich? Die multiplikative Wirkung sozialer Ungleichheiten auf dem Arbeitsmarkt für Filmschauspieler." Zeitschrift für Soziologie 41:435-457.



 

Nachfragerverhalten und Verteilungswirkungen des Lotteriespiels in Deutschland (zusammen mit Jens Beckert)



Mit einem Umsatz von über 30 Milliarden Euro jährlich ist der Glücksspielmarkt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Das Zahlenlotto ist neben Spielbanken der größte Einzelmarkt darin. Als Markt zeichnet sich der Lotteriemarkt durch die interessante Besonderheit aus, dass dort ein Gut mit einem negativen erwarteten monetären Nutzen für die Nachfrager gehandelt wird. Da nur weniger als 50 Prozent der Einnahmen als Gewinne verteilt werden, haben Lotterielose einen geringeren erwarteten Nutzen als der Kaufpreis des Loses. Wie kommt es auf diesen Märkten dennoch zu einer Nachfrage? Hierfür sollen in dem Projekt vier unterschiedliche Erklärungsansätze getestet werden: die Bedeutung irrationaler Entscheidungsmotive, funktionalistische Theorien des Spannungsmanagements, Ansätze, die von der situationsbedingten Rationalität des Loskaufs ausgehen und netzwerkanalytische Erklärungen, die soziale Sekundäreffekte des Lotteriespiels (Kontaktmöglichkeiten) hervorheben.
Das Projekt geht weiterhin, vergleichend mit den USA, der Frage der Problematisierung unter normativen Gesichtspunkten nach und untersucht die möglichen Umverteilungseffekte durch das Lotteriespiel. Lotterielose sind besonders hoch besteuerte Güter. Hierfür wird der Frage nachgegangen, in welchem Ausmaß sich regressive Verteilungswirkungen durch die Lotterielosbesteuerung feststellen lassen.
Die Datenerhebung für das Forschungsprojekt basiert hauptsächlich auf einer bevölkerungsrepräsentativen telefonischen Umfrage, die 2006 in Zusammenarbeit mit einem sozialwissenschaftlichen Umfrageinstitut durchgeführt wurde. In dieser Studie wurden 1508 zufällig ausgewählte Personen nach ihrem Lotto- und Glücksspielverhalten befragt.


Ausgewählte Publikationen:


Beckert, Jens / Mark Lutter. 2013. "Why the Poor Play the Lottery: Sociological Approaches to Explaining Class-based Lottery Play." Sociology 47:1152-1170.


Beckert, Jens / Mark Lutter. 2009. "The Inequality of Fair Play. Lottery Gambling and Social Stratification in Germany." European Sociological Review 25:475-488.


Beckert, Jens / Mark Lutter. 2007. "Wer spielt, hat schon verloren? Zur Erklärung des Nachfrageverhaltens auf dem Lottomarkt." Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 59:240-270.



 



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