Andreas Kammer


 

Forschungsprojekte


 

Die Politische Ökonomie der Umverteilung – Finanzpolitische Einkommensumverteilung in entwickelten Demokratien


Die Minderung von Einkommensunterschieden gehört zu den größten Errungenschaften moderner Wohlfahrtsstaatlichkeit. Transferzahlungen und Besteuerungsinstrumente sind technisch gesehen gleichermaßen geeignet, um Verteilung von Markteinkommen zu verändern. Es ist jedoch zu beobachten, dass sich die Verteilungsarithmetik der modernen Wohlfahrtsstaatlichkeit und die Umverteilungsleistung der Steuer- und Transferpolitik unter dem Einfluss ökonomischer Integrationsprozesse verändern.

Ich vertrete den Standpunkt, dass Umverteilung kein eigenständiges Politikfeld ist, sondern vielmehr ein Attribut finanzpolitischer Wohlfahrtsstaatlichkeit darstellt. Durch die Differenzierung der Umverteilungsleistung der Steuer- und Transferpolitik gelingt es, vermeintliche Widersprüche in der polit-ökonomischen Theorie der Umverteilung aufzulösen und eigene Erwartungen bezüglich der Entwicklung der Umverteilungsleistung von finanzpolitischer Wohlfahrtsstaatlichkeit zu formulieren. Meine theoretischen Erwartungen lassen im Zuge ökonomischer Integrationsprozesse eine Verschiebung der Kapazitäten zur Einkommensumverteilung von der Steuer- zur Transferpolitik erwarten.

Ausgehend von einer methodischen Kritik an dem annahmebasierten Forschungsstandard in der etablierten Wohlfahrtsstaatenforschung wird eine umfassende Konzeption zur empirischen Messung von Umverteilung und Progression erarbeitet. Durch die Analyse von Mikrodaten kann, unter Berücksichtigung von indirekten Steuern, neuartige Evidenz präsentiert werden, die im Hinblick auf die theoretischen Erwartungen unerklärte Varianz erzeugt. Das resultierende Puzzle legt nahe, dass die existierenden Erklärungen politische Prozesse zu wenig berücksichtigen und politische Institutionen einen deutlichen Einfluss auf die Entwicklung der Struktur der finanzwissenschaftlichen Wohlfahrtsstaatlichkeit haben. Der Einfluss von politischen Institutionen auf die Entwicklung der Umverteilungsleistung der Finanzpolitik stellt sich als ein asymmetrischer Effekt dar. Dabei unterscheiden sich die Akteurskonstellation und die politische Logik zwischen den Politikfeldern der Steuer- und Transferpolitik. Durch die Modifikation bestehender Erklärungsansätze wird ein eigener Erklärungsansatz erarbeitet, der einen systematischen Zusammenhang zwischen Demokratietypus und der Entwicklung der Verteilungsarithmetik finanzpolitischer Wohlfahrtsstaatlichkeit vertritt. Als typische Fälle werden Deutschland und das Vereinigte Königreich untersucht.

Projektdauer: Oktober 2008 bis September 2012.

 


Andreas Kammer - Forschungsprojekte | http://www.mpifg.de/people/ak/projects_de.asp [Zuletzt geändert am 12.11.2008]