Nachfragerverhalten und Verteilungswirkungen des Lotteriespiels in Deutschland
Jens Beckert und Mark Lutter
Mit einem Umsatz von über 30 Milliarden Euro jährlich ist der Glücksspielmarkt ein bedeutender Wirtschaftsfaktor in Deutschland.
Das Zahlenlotto ist neben Spielbanken der größte Einzelmarkt darin. Als Markt zeichnet sich der Lotteriemarkt durch die interessante
Besonderheit aus, dass dort ein Gut mit einem negativen erwarteten monetären Nutzen für die Nachfrager gehandelt wird. Da nur weniger als
50 Prozent der Einnahmen als Gewinne verteilt werden, haben Lotterielose einen geringeren erwarteten Nutzen als der Kaufpreis des Loses.
Wie kommt es auf diesen Märkten dennoch zu einer Nachfrage? Hierfür sollen in dem Projekt vier unterschiedliche Erklärungsansätze getestet werden:
die Bedeutung irrationaler Entscheidungsmotive, funktionalistische Theorien des Spannungsmanagements, Ansätze, die von der situationsbedingten
Rationalität des Loskaufs ausgehen, und netzwerkanalytische Erklärungen, die soziale Sekundäreffekte des Lotteriespiels (Kontaktmöglichkeiten)
hervorheben. Das Projekt geht weiterhin, vergleichend mit den USA, der Frage der Problematisierung unter normativen Gesichtspunkten nach und
untersucht die möglichen Umverteilungseffekte durch das Lotteriespiel. Da Lotterielose besonders hoch besteuerte Güter sind, wird das Ausmaß
regressiver Verteilungswirkungen durch die Lotterielosbesteuerung betrachtet. Die Datenerhebung für das Forschungsprojekt basiert hauptsächlich
auf einer repräsentativen Befragung. Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt wird zudem in Kooperation mit Roberto Garvía
von der Universität Carlos III in Madrid durchgeführt. Aus dem Projekt sind bisher einige Fachaufsätze sowie die Dissertation von Mark Lutter
hervorgegangen. Projektdauer: Mai 2009 bis Dezember 2010.
Veröffentlichungen
Beckert, Jens/Mark Lutter, 2007: Wer spielt, hat schon verloren? Zur Erklärung des Nachfrageverhaltens auf dem Lottomarkt. In: Kölner Zeitschrift für
Soziologie und Sozialpsychologie 59(2), 240-270.
Garvia, Roberto, 2007: Syndication, Institutionalization, and Lottery Play. In: American Journal Of Sociology 113, 603-652.
Beckert, Jens/Mark Lutter, 2008: Wer spielt Lotto? Umverteilungswirkungen und sozialstrukturelle Inzidenz staatlicher Lotteriemärkte.
In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 60(2), 233-264.
Nett, Saskia, 2008: Lottolose als imaginäre Statusgüter: Eine qualitative Untersuchung der Motive von Lottospielern. Staatsexamensarbeit
im Fach Sozialwissenschaften, Universität zu Köln.
Beckert, Jens/Mark Lutter, 2009: The Inequality of Fair Play. Lottery Gambling and Social Stratification in Germany. In:
European Sociological Review 25(4), 475-488.
Lutter, Mark, 2010: Märkte für Träume: Die Soziologie des Lottospiels. Frankfurt a.M.: Campus.