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 Forschungsprojekte am MPIfG

Die Entwicklung der Niederlande zum Offshore-Finanzplatz

Arjan Reurink


 
Das Offshore-Finanzsystem ist alles andere als das Randphänomen zweifelhafter Art, für das es oft gehalten wird - vielmehr ist es integraler Teil des gegenwärtigen Kapitalismus. Seine Wirkung reicht weit über die illegale Wirtschaft hinaus, und ohne die von Offshore-Finanzplätzen zur Verfügung gestellte institutionelle Infrastruktur könnte es nicht bestehen. Üblicherweise werden solche Finanzplätze mit kleinen Inselstaaten in Verbindung gebracht, deren Rolle als Abwicklungsort für Offshore-Geldgeschäfte mit ihrer kolonialen Vergangenheit sowie dem Mangel an anderweitigen wirtschaftlichen Entfaltungsmöglichkeiten erklärt wird. Jüngste Untersuchungen zu Offshore-Geldgeschäften rücken jedoch eine Reihe entwickelter Demokratien aus dem Kerngebiet der EU in den Mittelpunkt. Die Entstehung dieser europäischen Offshore-Finanzplätze ist nicht mit den vorhandenen einschlägigen Theorien vereinbar und wirft Fragen zu den historischen Ursprüngen und institutionellen Entwicklungspfaden dieser Finanzplätze auf. Mithilfe einer Prozessanalyse untersucht das Projekt die historische und institutionelle Entwicklung der Niederlande zu einem sehr bedeutenden europäischen Offshore-Finanzplatz. Drei Ziele werden dabei verfolgt: ein umfassendes Verständnis des Prozesses zu ermöglichen, durch den die Niederlande zum Offshore-Finanzplatz geworden sind; zu den breiter angelegten theoretischen Debatten über Globalisierung und internationalen Steuerwettbewerb beizutragen; die Rolle von Offshore-Finanzplätzen im Zusammenhang mit der Entstehung des Schattenbankensystems zu beleuchten. Projektdauer: Januar 2016 bis März 2019.
 

 
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